Montag, 25. Februar 2008

Anstrengendes Zivileben

Wie in meinem letzten Bericht nachzulesen hab ichs ja noch rechtzeitig zurück nach Managua geschafft. Nach ein paar freien Tagen fahre ich also wieder mal zum Flughafen um Rajka abzuholen. Wie wird die Begegnung sein? Alles so wie vorher? Erkennen wir uns überhaupt noch? Fragen die mir durch den Kopf gehen wie ich da so am Terminal steh und mir wie 200 andere die Nase an der Glasscheibe plattdrücke. Um 8 Uhr soll sie eigentlich ankommen, aber um 8 Uhr kommt niemand. Mittlerweile schon fast routiniert frage ich am Schalter (Anzeigen gibt es nicht) nach was mit dem Flug aus Miami los ist. Keiner weis was genaues, aber das ist ja nichts neues. "No te preocupes" (=Mach dir keine Sorgen) ist die Standardantwort. Also wart ich noch ein bisschen und um halb 10 kommt sie aus dem Gang. Es dauert ein bisschen bis wir uns sehen, noch ist ja die Glasscheibe zwischen uns. Dann braucht es noch ewig bis sie ihr Gepäck bekommt und den Sicherheitsbereich verlassen kann. Dann endlich, nach fast einem halben Jahr können wir uns wieder umarmen.

Wir fahren "heim" und ruhen uns erst mal aus. Am nächsten Tag zeige ich Rajka meine Arbeitsstelle. Dort gibt es mal wieder nicht wahnsinnig viel zu tun und wir fahren weiter nach Los Trejos um dort den Nachmittag zu verbringen. Ees ist schoon irgendwie eigenartig seine Freundin dabeizuhaben in einer Communidad die man jetzt ein halbes Jahr lang allein besucht hat und die sie nur aus Erzählungen kennt. Ich glaube es gefällt ihr ganz gut, sie spielt mit den Niños während ich mit Sonia plaudere.

Am nächsten Tag fahren wir spontan nach Granada und besuchen Rosita, meine Gastmutter bei der ich die ersten drei Wochen gewohnt habe und mit der ich immer noch in Kontakt steh. Es ist wirklich schön immer wieder mal vorbei schaun zu können und ein bisschen zu Plaudern. Wir übernachten dort in einer Hospedaje und frühstücken im europäischsten Café das ich seit einem halben Jahr gesehen habe. Das Frühstück besteht zur Abwechslung mal nicht aus Reis und Bohnen und es gibt sogar Eiskaffee. Was für ein Genuss.

Zurück in Managua überlegen wir uns was wir mit unserer verbleibenden Zeit anfangen sollen (viel ist es ja wirklich nicht) und beschließen für ein paar Tage auf Little Corn Island (eine von wenigen Karibikinseln die zu Nicaragua gehören) zu fliegen. Da die Touristensaison schon wieder vorbei ist, ist es kein Problem einen Flug zu bekommen und am nächsten Tag in der früh um 5 brechen wir wieder mal richtung Flughhafen auf. Diesmal aber zum kleinen, nationalen Terminal un besteigen nach dem Einchecken, das etwas ungewönlich abläuft (man selbst wird mitgewogen) die einmotorige Chessna die uns auf Big Corn Island bringen soll. Little Corn ist einfach zu klein um eine Landebahn drauf zu bauen. Dorthin kommt man nur mit dem "Panga" (=Motorboot).

Nach eineinhalb Stunden Flug landen wir auf Big Corn, laufen zu der Hütte die das Flughafenterminal ist und holen unsere Rucksäcke ab. Danach gehts mit dem Taxi in Richtung Anlegesteg (dazu muss man erst ein mal um die Landebahn rumfahren die quer durch die Insel geht) und dort begeben wir uns nach Entrichtung der Hafensteuer (2 Cordobas pro Person!) auf unser Panga. Die Überfahrt ist ziemlich rasant, die Wellen schlagen hoch und das durch zwei Motoren angetriebene Boot sprint immer wieder über die Kämme. Bis wir nach ca. 40 Minuten auf Little Corn sind, sind alle klatschnass. Auf unserer Zielinsel angekommen machen wir uns auf die Suche nach einer Hospedaje und durchqueren erst mal die Insel (nach 20 Minuten gemütlichem Spazieren sind wir auf der anderen Seite ;-) Am Strand angekommen haben wir leider den Pfad verloren (Straßen gibt es nicht auf Little Corn, nicht ein einziges Auto). Glücklicherweise wissen wir, dass am Nordende der Insel 3 Hospedajen sind die sich im Lonely Planet ganz gut angehört haben. Also folgen wir erst mal dem Strand richtung Norden und werden bald fündig.

Wir schauen uns die drei Hospedajen an und entscheiden uns schließlich für die Letzte, Ensueños. Nur 3 Hütten stehen hier zur Verfügung, eine davon ist frei und wir ziehen ein in ein Häuschen das zwischen drei Kokospalmen aus Strandgut aufgebaut ist. Überhaupt das ganze Gelände von "Ensueños" ist sehr harmonisch in die wunderbare Natur eingegliedert. Alles ist irgendwie schief und scheps, erinnert mich als Kunst-LKler an Gaudio und sieht furchtbar gemütlich aus. Die Computerspieler unter euch die Gothic kennen, wissen was ich meine.

Rajka und iich verbringen wirklich wunderschöne, stinkfaule Tage am Strand, streifen durch den Urwald und blicken von einem Aussichtsturm über die ganze Insel. Nur 500 Leute leben hier, alle auf der Westseite des Eilands, in einem Ort genannt "Ort" (Mehr macht ja auf so einer kleinen Insel auch nicht viel Sinn) Schon am zweiten Tag auf der Insel weiß ich nicht mehr welcher Tag heute ist. Zum ersten mal seit langem bin ich wieder richtig entspannt. Rajka geht es wohl auch so. Aus meiner eigenen Schulzeit erinnere ich mich zurück (Ja, daaaamals....) dass die Zeit um Weihnachten immer die Stressigste war. Dann noch der Rosenmontagsball und so, sie macht schon ziemlich viel. Die meiste Zeit des Tages sitzt sie da und liest, oder liegt faul in der Sonne oder schaut den Vögeln zu, während ich mich ums Mittagessen kümmer und Kokosnüsse von den Palmen ernte (was für ein Robinson!)

Zum Essen gibt es auf dieser Insel übrigens hauptsächlich das was eben drauf und drumherum wächst: Obst, Kokosnüsse und Meeresgetier. Dagegen hab ich nach einem halben Jahr fast ununterbrochenen Reis-mit-Bohnenessens wirklich nichts einzuwenden.

Doch so schön das auch alles ist, irgendwann geht jeder Traum zuende. Wir machen uns also auf den Rückweg. Zu Fuß über Little Corn, mit dem Panga nach Big Corn. Dort wird es noch mal spannend: Mangels Telefon haben wir keinen Flug reserviert und vertrauen auf unser Glück ("No te preocupes"). Erst sieht es ziemlich schlecht aus: Das Flugzeug ist schon ziemlich voll und alle verbleibenden Plätze sind reserviert. Aber am ende haben sich wohl doch ein paar Leute entschlossen noch länger zu bleiben und wir kommen wieder zurück nach Managua.

Kurze Zeit später steht auch schon wieder der Abschied an. Wieder werden wir uns für ein halbes Jahr nicht sehen. Wenigstens können wir sagen, dass wir die Hälfte schon hinter uns haben. Ein schwacher Trost in diesem Moment, aber es ist nun mal so...