Donnerstag, 22. November 2007

Ha, ich leb noch!

Salud Ustedes!
So, nach langer langer Wartezeit meld ich mich mal wieder. Auch wenn ihr es nach meiner letzten Mal vielleicht erwartet hab, bin ich noch immer im Land, nicht ausgereist und meine Arbeit geht voran! Ja, kaum zu Glauben, es gibt progreso!
Aber jetzt von vorne: Also am Tag nach meiner letzten Mail hab ich mein Vorhaben wahr gemacht und bin zu meiner Chefin marschiert. Es war wirklich zeit. Erst wollte sie mir erklären, dass es meine Schuld ist, weil ich quasi nie in der Kirche bin (nur von 9 uhr in der Früh bis abends um 5, 6 Tage die Woche), sondern immer mit dem Loch in Haus beschäftigt bin (wann habe ich geschlieben, dass das Loch fertig ist? Vor eineinhalb monaten? Ich hab mir dafür genau einen Tag frei genommen) Dann hab ich ihr erst mal erzählt, was das Problem ist, was am Montag passiert war und warum ich heimgegangen bin. Am Anfang wars etwas schwierig, aber mit der Zeit hat sie dann eingelenkt und wir haben uns zusammengesetz und einen ordentlichen Plan gemacht. Danach hab ich meine letzte Autorisation bekommen (wenn mein Foto wieder da ist, schick ich sie euch mal, ich hab sie aufgehoben) und angefangen den Computer zu reparieren. Meine erste richtige Arbeit! Großartig, ich bin 3 Monate hier und schon gehts los! Naja, aber hier mahlen die Mühlen einfach anders. Das stellt man sich zwar schon so vor, aber wenn man mitten drin steckt ist es noch mal was ganz anderes. Ich glaube das muss man erlebt haben. Letzten Freitag war ich dann auch zum ersten mal in meiner Communidad (in die ich vorher gerne gefahren wäre, aber nicht durfte, weil sie soooooo gefährlich ist). Dort wurde mir bislang der wärmste Empfang bereitet. Zwei Niños die mich schon aus den Cultos (=Gottesdienst) kennen, haben mich gleich gepackt und mir ihre Hütten gezeigt. Los Trejos ist eines der ärmsten Viertel in Managua. Die Straßen bestehen aus Sand und Dreck, die Häuser aus Wellblech, Busbodenplatten, Palmblättern, Plastikfolien und was man sonst noch findet. Seit 2 Jahren gibt es wenigstens Strom, allerdings nur für 5 Stunden am Tag, was besonders nachts ein Problem ist (es gibt dann nämlich kein Licht in den "Straßen"). Trotzdem sind die Leute dort weitaus offener als die anderen die mir bisher begegnet sind.Nachdem die beiden mir die nähere Umgebung gezeigt haben (und alle Pflanzen dies hier so gibt ;-) haben sie mich wieder zurück zum Haus von Doña Sonja, dessen "Wohnzimmer" als Gemeindezentrum, Kirche und Büro dient. Ich wurde erst mal ordentlich willkommen geheißen, von allen Familienmitgliedern geknuddelt und den übrigen vorgestellt. Danach war mal wieder ein Gottesdienst in dem ich öffentlich eingeführt wurde. Am Sonntag sollte dann meine erste Reunion mit den Jovenes dort sein. Ich bin gleich nach dem Gottesdienst um halb 12 hingefahren, wurde zum Mittagessen eingeladen, hab mit den Niños gespielt und mal geschaut was sie alles können, ich hab nämlich vor ihnen jedes mal ein paar Hausaufgaben zu geben und ihnen Unterricht zu geben. Teilweise sind sie ziemlich fit, aber es sind eben auch welche dabei, die mit 4 Jahren kaum einen Stift halten können. Danach war dann also die Reunión (mit den Jovenes (=junge Erwachsene) zwischen 4 und 34 Jahren). Es waren ungefähr 7 Leute da, das find ich fürs erste mal gar nicht schlecht. Mal sehen wie viele es werden. Wir haben uns mal ein bisschen kennen gelernt und ich hab ein bisschen gefragt, was sie denn mit meinem Vorgänger gemacht haben. Ausserdem haben wir unser erstes Projekt besprochen: Ein Krippenspiel, was auch sonst. Allerdings wirds kein traditionelles: Maria-und-Josef-verliefen-sich-im-Wald-Krippenspiel. Es ist noch nicht ganz fertig (es ist gar nicht so einfach ein Stück auf Spanisch zu schreiben, wenn es sich nicht so anhören soll als hätte es ein siebenjähriger gemacht), aber bisher ist es ganz gut. Josef ist ein Macho der seine Frau das ganze Gepäck tragen lässt, Maria eine Feministin die eine Herberge ablehnt in der sie keine Einzelzimmer haben und den beiden wird ihre wohlverdiente Ruhe in der Scheune verwehrt, weil alle 10 Minuten irgendwelche Verrückte ankommen die ihnen eine frohe Botschaft bringen wollen. Das ist kurz skizziert die Geschichte. Mal sehen wie sie ankommt, ich hab schon mal ein bisschen vorgefühlt und bin gespannt ;-) Abends hat Annie, unsere amerikanische Mitbewohnerin, uns ein bisschen Landeskundeunterricht gegeben: Heute (Donnerstag) ist in den Staaten nämlich ein besonderes Fest: Thanksgiving, das etwa unserem Erntedankfest entspricht aber irgendwie viel wichtiger ist. Also hat sie das ganze Wochenende gekocht und vorbereitet und am Abend hatten wir eine wunderbare Fressorgie. Reis- und Bohnenfrei! Truthahn haben wir aus Platzgründen (im Ofen) mit Huhn ersetzt, aber es war gut. Es war noch ein bisschen was übrig, also haben wir auch noch unsere Nachbarn eingeladen und uns mit ihnen bekannt gemacht. Auf der einen Seite ist eine Studentenwg mit sieben leuten, auf der anderen Seite eine Familie mit ungefähr 97 Hunden ;-) An meinem "Freien Tag" haben wir unser Haus wieder ein Stück weiter auf Vordermann gebracht: Unser Kühlschrank ist nicht so gut isoliert, ausserdem ist die Versorgung mit Strom nicht immer so gut und so kommt es manchmal dazu, dass das Eis das< sich bei der Luftfeuchtigkeit in einem 20 Jahre alten Kühlschrank unweigerlich ansammelt schmilzt und kleine Seen in der Küche bildet. Also haben wir ein Loch in die Wand und ein Loch durch den Kühlschrank gebohrt und 6m Rohr zum Abfluss gelegt. Jetzt läuft das ekelschmelzwasser direkt dort hinein, wunderbar. Ausserdem haben wir einen Wassertankt auf einer erhöhten Konstruktion im Hof, denn fürs Wasser gilt dasselbe wie für den Strom. Gefüllt wird dieser Tank mit einem Automatischen Hahn, etwa so wie ein Toilettenspülkasten. Allerdings ist dieser griffo (=Wasserhahn) kaputt und schließt nicht richtig, so tropft es immer aus dem Tank und tropft und tropft und tropft.Dann haben wir den Baum vor dem Haus gestutzt, den Baum hinter dem Haus gestutzt und unseren ehemals tristen dunklen Hof in eine Lagune des Lichts und der Entspannung verwandelt. Ausserdem hab ich 10 Löcher gebohrt und Haken reingeschraubt (ihr glaubt nicht was es für eine Reise ist Haken zu kaufen) an denen wir jetzt unsere Hängematten aufhängen können. Ausserdem besitzt unser Haus jetzt eine Hausnummer und damit eine Adresse:

La casa con la palma de cocos
H-518
De la Farmácia "La Vida" 5 cuadras al sur, 1 arriba
Colonia Centro America
Managua
Nicaragua

Wenn ihr wollt, könnt ihr mir jetzt was schicken, allerdings gut und regenfest verpackt, briefe werden hier nämlich über den Zaun geschmissen. Wie man einen Briefkasten benutzt ist nicht bekannt.Am Donnerstag konnte ich endlich die Arbeit mit dem Computer beenden (Einen Treiber zu installieren geht nämlich so: Man schaut sich das Mainboard an, was man braucht, geht über die Straße ins Büro nummer 1, wartet 20 Minuten bis der Computer frei ist und lädt sich den Treiber runter. Leider hat die Kiste die ich repariere keinen USB-Anschluss, auf eine Diskette passt der treiber nicht, also bleibt nur eine CD. Man kauft sich also eine leere CD, stellt fest, dass der CD-Brenner nicht geht (weil der PC des "Systembetreuers" so mit Viren verseucht ist, dass gar nichts mehr geht), kopiert den Treiber auf seinen USB-Stick und geht ins Büro nummer zwei.Dort verbringt man wieder 20 Minuten mit warten, 20 Minuten damit seinen USB-Stick virenfrei zu bekommen und brennt dann seine CD. Danach sind 2 Stunden rum und man kann schon seinen Treiber installieren.Man könnte natürlich auch einne Netzwerkkarte in den PC schieben, sich an den 2m entfernten Router anstöpseln und den Treiber direkt auf den PC laden, aber dazu fehlt einem leider die Autorisacion. Es gibt also noch arbeit um die ich mich kümmern werde, aber jetzt gibts erst mal ein paar Tage frei. Ich bin nämlich schon drei Monate hier und das bedeutet, dass mein Visum ausläuft. Deswegen muss ich für 3 Tage das Land verlassen. Morgen gehts also auf nach Costa Rica, nach San Jose, wo Annie letztes Jahr studiert hat und eine Gastfamilie hat. Dort werden wir ein paar Tage entspannen und danach "auf dem Rückweg" ein paar Tage am Pazifikstrand verbringen. Ich wünsch euch eine schöne Vorweihnachtszeit und genießt den Schnee!

Euer Christoph

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