Salut ustedes!
Was haben Vanillekipferl und Costa Rica miteinander zu tun? Eigentlich gar nix, aber es klingt irgendwie interessant, nicht wahr? Aber warum schreib ich so einen Schwachsinn in den Betreff von meinem Newsletter? Nun, alles hat einen sinn, aber jetzt schön der Reihe nach:
Wie ich in meiner letzten Mail geschrieben hab, bin ich jetzt schon drei Monate lang weg. Glaubt man gar nicht, gell. Und weil die Nicaraguaner Angst haben, dass ihr Land von Ausländern überfremdet wird, weil die sich die übermässig vorhandenen, gut bezahlten Arbeitsplätze weg schnappen (oder irgendwie so) muss ich alle drei Monate aus Nicaragua raus, ein paar Tage in einem Land verbringen das nicht zum Zentralamerikanisch
Normalerweise 8-9 Stunden. Wir haben knapp 12 gebraucht, weil der Bus beim Rausfahren aus der Busstation in Managua nämlich dummerweise an einem anderen Auto hängengeblieben ist. Bei uns würde man sich dann mit dem Fahrer des anderen autos verständigen, feststellen wer der schuldige ist (ist in dem Fall ja jetzt nicht so schwierig) und nach einer halben Stunde kann man seine Reise fortsetzen.
Nicht so in Nicaragua. Da darf man sein Auto nicht bewegen, bis die Polizei da ist. Naja, sollte man meinen, in der Hauptstadt fährt ein haufen Polizei rum, da sollte man doch einen in der Nähe anfunken können und der ist dann in 10 Minuten da. Nicht so in Nicaragua: Da es grade Mittag war, hat entweder der Busfahrer keine Lust gehabt bei der Polizei anzurufen oder dort hat keiner Lust gehabt zu kommen oder beides ;-) Jedenfalls ist nach geschlagenen zwei Stunden eine Motorradstreife vorbeigekommen und hat ein hübsches Bild gemalt von einem Bus und einem Auto. Eine weitere halbe stunde später sind wir dann aufgebrochen und wahren nachts um 12 in San José.
Dort fahren wir mit dem Taxi zu einer Familie bei der Annie vor 2 Jahren gewohnt hat, als sie ein Semester in Costa Rica studierte. Die Fahrt durch San José ist wirklich interessant. Man fährt durch Straßenschluchten mit Leuchtreklamen und Ampeln. Ich komme mir stellenweise vor als würde ich durch München fahren. Mir wird wieder bewusst wie krass Managua eigentlich ist. Mit der Zeit hab ich mich an die dortigen Verhältnisse gewöhnt und empfinde es nicht mehr als befremdlich mit 200 anderen Menschen in einem Bus durch eine Stadt ohne Zentrum zu fahren in der es nicht mehr als 20 Gebäude mit mehr als einem Stockwerk gibt. Aber hier sieht man zum ersten mal seit 3 Monaten was man eigentlich hinter sich gelassen hat.
Nach gut 20 Minuten kommen wir bei der Gastfamilie an. Sie wohnen in einem gehobenen Wohnviertel, die Häuser sind meist zweistöckig, mit Garage. Davor sind gepflegte Gärtchen, alles ist frisch gestrichen. Kurz: So stelle ich mir ein Wohnviertel in einer amerikanischen Kleinstadt vor.
Im inneren des Hauses bestätigt sich der erste Eindruck. Bei Vilma und Lionel werden wir wilkommen geheißen und beziehen unser quartier, das sichherlich der Stolz einer jeden amerikanischen Hausfrau wäre. Wir packen noch unsere Zahnbürsten aus und legen uns ins Bett.
Am nächsten Tag frühstücken wir in der Küche in der der größte Kühlschrank steht den ich bisher gesehen hab. So ein amerikanisches Teil mit zwei Türen, links Eisfach und rechts Kühlschrank. Eiswürfelspender integriert! Ich bin richtig fasziniert und probier das erst mal aus ;-) Das Frühstück wird übrigens wieder von einer Nicaraguanerin zubereitet, die hier arbeitet und dann ihr Geld nach Nicaragua schickt. Trotzdem gibts hier mal keine Bohnen und keinen Reis zum Frühstück, eine wilkommene Abwechslung. Nach dem Essen trink ich noch ein Fresco (=selbstgemachtes Fruchtsaftgeträ
Danach begeb ich mich jedoch wieder aufs Zimmer, betrachte eine Weile die Aussicht über den bürgerlichen Stolz des Viertels, nehm mir ein Buch und lese den ganzen Tag. Diese herrliche Ruhe hier, keine Busse die ohne Auspuff der ganzen Welt ihre Präsenz mitteilen, keine Klempner, Schuster, Nacatamal-, Tortilla-, Bananen-, Tomaten-, Leche Agria-, Orangen- oder was weiss ich was Verkäufer die ihre Dienste lautstark bekanntgeben. In der einen Woche die ich frei habe lese ich ganze 1000 Seiten. Das war mal wieder nötig.
Ein weiterer Höhepunkt unseres Costa Rica aufenthaltes ist ein Besuch in einem Supermarkt. Klingt erstmal befremdlich, ist es aber nicht. Auch wenn es in Nicaragua mittlerweile ganz gut sortierte Supermärkte gibt, kann man sie mit dem was es in Costa Rica gibt nicht vergleichen. Vor allem Käse und Wurst. Das gibt es zwar in Nicaragua auch, allerdings mit einem Geschmack den ich nicht wirklich vermisse zu einem Preis den ich dafür nicht zu zahlen bereit bin. Diese Sachen sind zwar in dem Supermarkt hier auch nicht billiger, aber schmecken wenigstens. Und ab und zu darf man sich so was leisten. Die größte Überraschung ist aber, dass es hier Paulaner gibt! Richtiges Bier! Was für ein Fest! Naja, nach zwei 0,33l Flaschen ist schluss, bei 4 Dollar die Flasche muss mans ja nicht übertreiben. Aber gut geschmeckt hats schon ;-)
Nach drei Tagen in Costa Rica wollten wir Vilma und Lionel nicht weiter auf die Nerven gehen (obwohls wirklich schön dort war. Duschen mit WARMEN Wasser!) und machen uns wieder auf den Rückweg. Kurzfristig ändert sich unser Plan allerdings wieder, weil auf einmal Annies "Costa Rica Opa" in der Tür steht und uns auf einen Ausflug in die Berge einlädt. Wir sind ja spontan und jung und fahren mit ihm 2 Stunden über Passstraßen durch die Natur Costa Ricas. Dabei wird es erstaunlich frisch, einen Pulli hätte ich gut gebrauchen können, aber die existenz dieses praktischen Kleidungsstückes hab ich in den letzten drei Monaten schon fast vergessen. In unserem Ziel-Tal angekommen genießen wir in einem Hotel (mit dessen Chef der Opa befreundet ist) ein paar Cappuchino und setzen uns danach in einen Busch. Nach ein paar Minuten sind wir von Kolibris umgeben. Wirklich faszinierende Tierchen!
Am nächsten Tag brechen wir dann aber wirklich auf zurück nach Nicaragua, Jakob fährt gleich bis Managua, Annie und Ich lassen uns noch für zwei tage in San Juan del Sur, einer Hafenstadt am Pazifik nieder. Dort gibt es noch ein bisschen mehr müssiggang und relaxen in der Sonne. Ausserdem kann ich dort endlich mal wieder Fisch essen. In Managua gibts sowas nämlich kaum. Ich ernähre mich zwei Tage fast ausschließlich von Fisch (Salatbeilage mit einberechnet)
Nach einer weiteren Odysse (genaueres spar ich euch jetzt mal) kommen wir auch wieder in Managua an und genießen dort noch einen freien Samstag, an dem ich meinen mittlerweile schon ganz ordentlichen Garten wieder ein bisschen erweiter. Jetzt sprießen dort neben zahlreichen Gewürzen Salat, Karotten, Radiesschen, Gurken, Wassermelonen und demnächst auch Auberginen. Ich hoff das Zeug wächst schnell genug, dass ich auch noch was ernten kann ;-)
Am Sonntag Nachmittag beginnt meine Arbeit wieder: Ich mach mich auf nach Los Trejos und probe zum ersten mal unser Weihnachsstück (Krippenspiel, wie man so schön sagt, was mir aber hier mangels vorhandenseins von Futterkrippen abwegig erscheint) Am Anfang sind alle etwas skeptisch über meinen "Skrupellosen" umgang mit der Weihnachtsgeschicht
Ach ja Weihnachten: Obwohl es hier in den Supermärkten und in einigen Privathäuseren auch Lichterketten, Nikoläuse und sonstigen Weihnachtskram gibt (Man kann z.B. Wenn man an der Ampel steht aus dem Auto raus Strohrehntiere kaufen, toll was?) bin ich noch nicht so richtig in Weihnachtsstimmung. Vielleicht liegt es an der Temperatur und daran, dass es bisher noch nicht ein mal geschneit hat. Um das zu ändern, hab ich mich aufgemacht und nach Stunden der Suche alle Zutaten für Vanillekipferl aufgetrieben. Heute war also großer Backtag und ich hab ungefähr 400 Vanillekipferl gemacht, schließlich muss ich einer ganzen Menge Leuten hier dieses Meisterwerk der bayerisch-österreich
In diesem Sinne:
Eine schöne Adventszeit euch Allen und lasst mal hören wies euch so geht.
Liebe Grüße,
euer Christoph
Samstag, 8. Dezember 2007
Costa Rica und Vanillekipferl
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