Donnerstag, 6. September 2007

Die ersten Tage

Salud Vosotros!
Die ersten Tage in Managua sind vorbei, wir haben alles gut über die Bühne gebracht. An unserem ersten Tag hier wurden wir der Gemeinde kurz vorgestellt, und haben ein paar Sätze auf spanisch gesagt, so schlecht war es gar nicht ;-) . Doch wir waren nicht die einzigen Gringos: Eine Delegation aus South Dakota war zu besuch und hat sich die letzten beiden Wochen die Umgebung angeschaut. Sie wollten noch eine Stadttour machen und haben uns gefragt ob wir mitwollen. Nachdem wir zuhause angerufen hatten (seit dem Flug waren wir nicht dazu gekommen und mit der Zeitverschiebung ists ja auch nicht so ganz einfach), stiegen wir also in den Bus der Gemeinde. Kennt ihr die Simpsons? Genau so ein gelber Schulbus war das, die fahren hier überall rum, weil die Amerikaner die irgendwann los werden wollten und hier dankbare Abnehmer gefunden haben. Sie machen zwar einen Heidenlärm (die meisten sind ohne Auspuff) und rauchen wie ein ukrainisches Kohlekraftwerk, aber man kommt damit von A nach B.
So sind wir erst mal zur alten Kathedrale gefahren, die beim Erdbeben 1972 zerstört wurde und die in jedem Reiseführer über Managua abgebildet ist. Sie sieht ziemlich geisterhaft aus: Das Dach und die Fenster Fehlen, aus den Ritzen zwischen den Steinen wachsen Gras, Moos und kleine Bäume. Auf dem Platz davor stehen einige Stellwände mit Fotos aus Zeiten, als die Kirche noch ganz war. Manche sind noch aus dem 19. Jahrhundert. Sieht wirklich sehr geschichtsträchtig aus.
Wir gehen über den Platz, überall fliegen Müll- und Papierfetzen herum und Kinder versuchen uns aus Palmenblättern gefaltete Blumen und Heuschrecken anzudrehen. Immer wieder muss ich ihnen erklären, dass ich keine Cordobas habe. Es ist ein komisches gefühl.
Unser Busfahrer Fernando kutschiert uns weiter durch die Stadt, vermutlich haben die Amerikaner ihm eingebläut, dass er nicht schneller als 20 Km/h fahren soll und so ist er oft der Verlierer, wenn es darum geht die 1,50 m zwischen einem Pferdekarren und einem Plantagentruck zu erobern. Gebremst wird aber grundsätzlich nicht, irgendwie passt man immer durch.
Wir gehen auf einen Markt zum Essen, Rachel oder Raquel (sprich: Rakell), die Freiwillige aus Amerika, die bereits seit zwei Jahren hier lebt, bringt uns in ein "Restaurant" in dem wir bedenkenlos essen können. Unsere Mägen sollen sich schließlich erst langsam an die Umstellung gewöhnen. Zum essen gibt es Pollo (Hühnchen, fritiert), dazu Reis (noch kein Gallo Pinto! (Das Nicaraguanische Nationalgericht)), etwas Salat und Planteiros, das ist so etwas ähnliches wie Bananen, die aber eher wie Kartoffeln schmecken und auch ähnlich verwendet werden: In feine Scheiben geschnitten, fritiert und mit etwas Salz sind sie fast wie Chips. Einer der Jungen mit den Faltblumen ist uns über den Markt gefolgt und während den 2 Stunden die das Essen gedauert hat nicht von unserer Seite gewichen. Er fragt ob er die Reste haben kann. Wir überlassen ihm das was wir nicht mehr geschafft haben. Die Gesamte Mahlzeit mit Getränken kostet ca. 35 Cordoba pro person, 1,50 €.
Nach dem Essen schlendern wir noch etwas über den Markt, Jakob und Ich fahren dann zusammen mit Louis und Fernando zum Centro Mercateo, wo ich mir ein Handy kaufe, damit ich im Notfall, oder wenn ich verlorgen gehe telefonieren kann. Wer will kann mich auch anrufen: 00505/6138603, denkt aber bitte an die 8 Stunden Zeitverschiebung (ich bin 8 Stunden hinterher).
Abends waren wir noch zusammen Essen, unter einem mit Palmblätter bedeckten Dach. Es gab mit Bohnen und Käse gefüllte Tortillas und Krautsalat, typisch El Salvadorianisch.

Am nächsten schlafen wir erst mal aus. Um 10 Uhr beschließen wir das Barrio, unsere Nachbarschaft zu erkunden. Auf dem Weg durch die Straßen, kaufen wir hier einen Tortilla (für einen Cordoba), dort eine Cola (7 Cordoba) oder ein Hühnchensandwich (10 Cordoba). Ausserdem habe ich einen Lötkolben gekauft, weil der Stecker von der USB-Karte abgegangen ist. Was man nicht alles braucht ;-)
Am Nachmittach telefonieren wir mit Rachel, sie wird uns um 5 Uhr abholen und zum ersten Mal zu unserer Casa bringen. Wir haben noch genug Zeit für eine Cola. Das ist nicht ganz einfach. Entweder trinkt man die Cola gleich, dann bekommt man sie in der Flasche, zum mitnehmen gibt es Cola in Plastiktüten, weil die Läden nur dann beliefert werden, wenn sie leere Flaschen zurückgeben. So spart man sich das Pfand.

Um 5 Uhr fahren wir mit dem Taxi ein mal quer durch Managua. Eine weitere Schilderung des Straßenverkehrs spar ich mir an dieser Stelle. Das Haus ist etwa doppelt so groß wie ich es mir vorgestellt habe. 3 Große Zimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Freisitz bieten genug Platz für uns Beide. Die meisten Zivildienstleistenden in Deutschland würden uns um so eine Wohnung beineiden. Der Innenhof ist auch großzügig und es gibt sogar ein Beet, in das ich demnächst Tomaten pflanzen werde. Ich hoffe die Samen, die ich aus Rajkas Garten mitgenommen habe gehen auf. Vor dem Haus ist noch mal ein Patio (=Hof) und in dem Wächst eine Palme. Heute nacht hat es ziemlich gestürmt und geregnet, auch der Strom ist für eine halbe Stunde ausgefallen (wohl ausläufer von Felix), aber das ist hier nichts besonderes. Und als ich in der Früh wieder raus geschaut hab, lagen drei Kokosnüsse auf dem Boden ;-) Wer hat sowas schon. Auch die ganzen Möbel sind hier aus Teakholz, weils einfach das billigste Holz hier ist ;-)

Heute, am 5. September haben wir im Haus erst mal ein wenig sauber gemacht und unsere Koffer ausgeräumt, danach gleich wieder gepackt, weil wir jetzt, am Nachmittag mit dem Bus nach Granada in die Sprachschule fahren werden. Das wird noch mal interessant. Granada soll sehr schön sein, eine alte Kolonialstadt, die auch viel kleiner ist als Managua. Der Rucksack ist schon gepackt und in einer halben Stunde etwa werden wir aufbrechen. Jakob übt grade noch ein bisschen mit der Trompete, die Nachbarn werden sich wundern. Wenn wir da sind, lass ich wieder von mir hören.

Liebe Grüße an euch alle,
euer Christoph

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