Samstag, 22. September 2007

Christoph Unterwegs

Salut ustedes!

Sicherlich wartet ihr alle schon sehnlich auf diese Rundmail, ich hab ja länger nichts von mir hören lassen, weil ich die letzten Tage wirklich viel unterwegs war, aber: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen (oder so ähnlich). Von meinem Besuch auf den Islettas hab ich ja schon erzählt, danach begann für mich meine letzte Schulwoche in Granada. Am Montag raffe ich mich also schweren Herzens auf wieder in die Schule zu gehen, allmählich hab ich mich an die Zeitumstellung gewöhnt und bin auch hier zum Langschläfer geworden, auch wenn das hier nicht so einfach ist, weil ab 6 Uhr in der Früh der Krach los geht und ab 7 beim besten Willen nicht mehr an schlafen zu denken ist, aber man kann ja in seinem Bett liegen bleiben, ein bisschen lesen oder in der Gegend rum schauen (es gibt hier recht interessante Geckos, die aus Italien importiert wurden um Moskitos zu fressen, sie können an der Wand laufen und platzieren sich meist in der Nähe von Glühbirnen, weil dort die Moskitodichte am größten ist). Mein Spanisch ist mittlerweile schon ganz gut, auch wenn man immer wieder ein bisschen braucht um reinzukommen, bis sich das Hirn umstellt. Am Dienstagabend bin ich zum letzten Mal ins Internetcafé gegangen, danach haben wir auf dem Parce Central noch ein paar Freiwillige aus Frankfurt getroffen, es ist wirklich der Wahnsinn, wie viele Freiwillige sich hier tummeln, nahezu in jeder größeren (auch in vielen kleinen) Städten gibt es jemanden von dem wir mittlerweile eine Handynummer oder irgendeinen Kontakt haben, was wirklich praktisch ist. Wir waren noch ein wenig unterwegs um unseren letzten Abend in Managua zu feiern. Es war wirklich recht lustig und vor allem mal schön mit mehreren Menschen auf Deutsch zu reden, sonst ist immer nur Jakob da, mit dem ich mich zwar gut verstehe, aber auf dauer ist es manchmal doch ein wenig eintönig ;-). In unserer lustigen Runde ist mir außerdem eine bemerkenswerte Sache aufgefallen: Sowohl der berühmte Cuba Libre, als auch das Libre-Derivat Nica Libre bestehen hauptsächlich aus Coca Cola. Wie soll man das verstehen? Diese beiden Staaten sind zwar auf den Imperialismus Amerikas überhaupt nicht gut zu sprechen, produzieren aber ihr "Nationalgetränk" hauptsächlich aus dem Musterbeispiel des Wirtschaftsimperialisums und versehen es auch noch mit dem Beinamen "libre". Manchmal ist die Welt paradox ;-) Am Mittwoch verabschieden wir uns schweren Herzens von unseren Spanischlehrern, die wir wirklich ins Herz geschlossen und fast alle dazu verpflichtet haben mal bei uns in Managua vorbeizuschauen. Ich denke außerdem, das wir noch ein paar mal nach Granada zurückkehren wollen, weil die Stadt wirklich nicht schlecht ist (jeder der nach Nicaragua kommt sollte mal dort gewesen sein ;-) Der weitaus schwerere Abschied ist allerdings der von unserer Familie, die sich in den vergangenen drei Wochen wirklich rührend um uns gekümmert hat und in der wir uns auch wirklich eingelebt haben, in Managua muss ich diese Vertrautheit erst wieder finden, das wird wieder ein paar Wochen dauern, hat aber durchaus was spannendes. Nach einem letzten Mittagessen und einem gemeinsamen Foto begeben wir uns also wieder auf die Reise, unser Ziel diesmal: Die Isla de Ometepe (Miskito: Die zwei Hügel), eine Vulkaninsel, bestehend aus den Vulkanen Conceptión und Madera. Mit dem Rucksack auf dem Rücken geh ich ein letztes Mal durch die Calle Commercial (=Marktstraße). Die Mittagshitze ist beinahe unerträglich, der schwere Rucksack drückt auf den Rücken und trägt nicht gerade dazu bei, dass dieser gut belüftet wird. Trotzdem fühlt sich der Staub der Straße anders an als sonst, trotz all dem Schweiß und der Hitze habe ich das Gefühl einer großen Freiheit in mir, das Gefühl nicht zu wissen wo ich heute abend schlafen, was ich essen, welche Menschen und Problemen ich begegnen werde, dieses Gefühl, dass alles möglich ist, sich einfach treiben lassen zu können. Das ist das tolle in Nicaragua. Man ist nicht auf einen Busfahrplan angewiesen. Wenn man nach Rivas will, geht man einfach an die Bushaltestelle, wird dort von den Busfahrern in den Rivas-Bus geschrieen, setzt sich rein und wartet einfach bis er los fährt. Spätestens nach 15 Minuten ist man auf dem Weg. Wir fahren also über Nandaime nach Rivas, immer wieder steigen Leute zu und aus, nach Nandaime ist das Land allerdings 40 Km so gut wie kaum Bewohnt, die Straße gut. Über die Mittagshitze wird man Müde und träge, die Augen fallen einem zu, und die Marktfrau die neben mir sitzt schläft irgendwann an meiner Schulter ein. Ich bin erst mal ein wenig irritiert, da ich sie überhaupt nicht kenne, will aber ihren sicher verdienten Schlaf nicht stören. Ein Schlagloch weiter schreckt sie jedoch plötzlich hoch, schaut mich kurz an, lächelt, schläft wieder ein und lässt ihren Kopf wieder an meine Schulter sinken ;-) In Rivas angekommen fahren wir in die Hafenstadt San Jorge (sprich: San Chorche ;-) und wollen uns erkundigen, wann die nächste Überfahrt auf die Insel ist, stellen aber fest, dass es sich mit Boten und Fähren genauso verhält wie mit Bussen, hüpfen über eine wacklige Holzplanke auf das "barco" und lassen das Festland hinter uns. Das Boot ist keine große fähre, misst nur 12 Meter und ist voll beladen mit Reis, Eiern, Kleidung in Kartons, zwei Hühner und sonstigen Handelswaren. Das Boot hat übrigens kein Geländer oder keine Reling, es hört einfach irgendwann auf, das erleichtert das Be- und Entladen ungemein. So setze ich mich möglichst mittig auf den Boden, lehne mich an einen Reissack und lasse mir die Sonne aufs Haupt scheinen. Wenige Minuten später legt das Wunderwerk nicaraguanischer Ingenieurskunst ab und nimmt Kurs auf Moyogalpa. Die beiden Vulkane, die vorher nur schemenhaft wahrzunehmen waren schälen sich langsam aus der dunstigen Seeluft. Die Gipfel der 1600 und 1450m hohen Vulkane sind von Wolken umhangen und geben keinen Blick auf den Krater frei. Wer den sehen will, muss rauf. Nach einer guten Stunde sind wir die 17 km über den See getuckert und gehen die Hauptstraße Moyogalpas hinauf (nun, das Dorf besteht etwa aus 4 Straßen). Wie immer an von Touristen viel frequentierten orten (also verhältnismäßig viel frequentiert eben) werden wir von Taxifahrern gefragt ob sie uns irgendwo hinfahren sollen (in dem 4 Staßen Dorf ;-) Als besonders hartnäckig stellt sich jedoch ein Werber heraus, der uns seine Hospedaje zeigen will. Da wir nicht wissen wo wir heute schlafen sollen gehen wir mal mit. Die Hospedaje hat genau 4 Zimmer, ein "Bad" und ein paar Plastikstühle. Ausserdem auf der Plusseite: ein nicht funktionierender Kühlschrank und ein Fernseher mit Kabelanschluss! (Stromkabel ;-) Wenn das mal nicht überzeugt. Das ganze ist das Projekt einer jungen Familie, die sich damit eine Existenz aufbauen will. Die Zimmer sind wirklich nicht luxuriös, haben etwa den Charme einer Gefängniszelle, sind aber sauber. Wir wollen den armen Carlos nicht enttäuschen, nachdem er sich so viel Mühe gegeben hat und schreiben uns für zwei Nächte im "Caderno de Clientes" ein. Er ist uns auch gern bei der Planung des morgigen Tages behilflich. Wir wollen unbedingt einen der beiden Vulkane besuchen. Der Conceptión ist erstens näher und zweitens schöner, also steht er auf dem Tagesplan, außerdem wollen wir uns ein wenig entspannen und deshalb einen Strand in der Nähe aufsuchen. Am nächsten Tag um halb 8 stehen wir also am Fuß des Vulkans und beginnen bei 100 m Meereshöhe unseren Aufstieg auf 1000 Meter. Die erste Stunde geht noch ziemlich flach dahin, immer wieder begegnen wir Campesinos auf ihren Pferden, die von ihren Bohnenfeldern oder Kaffeeplantagen zurückkehren, als der Wald allmählich beginnt dichter zu werden, beginnen über unseren Köpfen Kongos, Gorillaähnliche Affen, ihr Schreikonzert. Es ist wirklich faszinierend im selben Wald wie freilaufende Affen rumzulaufen, ein paar mal kann man in den Baumkronen sogar einzelne erkennen. Wir steigen weiter auf, die Hitze wird immer unerträglicher, der Weg immer steiler und schmaler. Obwohl ich normalerweise nicht viel schwitze läuft mir das Wasser runter. Mein T-Shirt tropft richtig. bei 500m beginnt der Feuchtwald, was die gefühlte Temperatur noch mal verdoppelt, zumal die dichte Vegetation jeden Luftzug wirkungsvoll verhindert. Ausserdem folgt der "Pfad" strikt dem Weg des Wassers: Direkt nach oben, keine Serpentinen oder solcher Krams, einfach vorwärts. Stellenweise hat der starke Regen den Weg 1,50m tief ausgewaschen und wir gehen bis zur Brust "unter" der Erde. An anderen wachsen die Pflanzen so dicht, dass man nicht bis zum Boden sehen kann und sich einfach tastend den Weg suchen muss. Auf 800m verändert sich die Vegetation schlagartig, die vorherige Vielfalt an schnellwüchsigen Bananenartigen Pflanzen wird durch buschartige Gehölze ersetzt. Wir steigen weitere 100 Meter auf, bis die Vegetation ganz aufhört und sich uns ein atemberaubender Anblick über den Nicaraguasee bietet. Ich will hier keine Zeilen mit der Beschreibung dieses Gefühles verschwenden, wer einmal einen wirklichen Gipfel erzwungen hat, kennt das, auch wenn wir keinen wirklichen Gipfel haben, aber der würde noch mal 3 Stunden dauern und dann müssten wir noch absteigen, außerdem haben wir bis hierher jeder 3l Wasser getrunken. Vielleicht kommen wir noch mal wieder, wenn wir mehr Zeit haben. Nach einer halben Stunde dort oben beginnen wir den Abstieg und kämpfen uns noch mal durch den Dschungel. Unser Vorhaben einen Strand zu besuchen streichen wir und bleiben stattdessen einfach in den Stühlen sitzen und erholen uns. Am nächsten Tag reisen wir wieder zurück nach Granada, nehmen allerdings diesmal die große Fähre, weil sie früher fährt. Nach Meinung der Nicas soll sie außerdem sicherer sein. Ich weiß allerdings nicht, ob es wirklich ein gutes Zeichen ist, ´wenn man nach betreten des Schiffes erst mal eine Schwimmweste gereicht bekommt ;-) In Granada essen wir ein allerletztes mal bei unserer Gastfamilie, verabschieden uns nochmals und nehmen unsere Bücher und Schulsachen mit, die wir dort gelassen haben. Dann geht es weiter nach Managua, in unser Haus, wo uns Rachel, die amerikanische Freiwillige und Anne, ihre Nachfolgerin schon erwarten. Wir begrüßen uns, unterhalten uns kurz, dann fällt der Plastikbeutel mit den Pflanzen ihnen auf und mir wieder ein: Ich habe aus Granada eine Bananenpalme und ein paar Blumen mitgenommen. Eigentlich wollte ich erst am Samstag beginnen den Garten herzurichten, aber die Pflanzen sind sichtlich durstig, so ist das erste was ich im Haus in Managua mache Unkraut roden und Garten umgraben. Die beiden Amerikaner denken wohl, dass ich total bekloppt bin. Jeder normale Mensch hätte sich wohl zuerst mal geduscht, aber dieser idiotische deutsch gräbt erst mal den Garten um ;-) Jetzt ist jedenfalls alles an Ort und stelle und wir können unsere Beete bestellen. Wir müssten nur noch Saatgut dafür finden, aber das wird sich mit der Zeit lösen lassen. Tomaten wachsen ja schon. Das Umgraben nimmt einige Zeit in Anspruch, ich bin erst fertig, als es schon dunkel ist. Kurz danach kommen noch zwei deutsche an, die wir in Granada kennengelernt haben. Sie werden bei uns wohnen, bis am Mittwoch ihr Flug zeug nach Puerto Cabezas an der Atlantikküste geht, wo sie ihren Freiwilligendienst leisten werden. Schaut mal nach wo Puerto (oder Bilwí auf Miskito) liegt. Dorthin führt eine einzige nur saisonal (manchmal) befahrbare Straße, die ein paar hundert Kilometer nur durch Urwald führt. Dort gibt es außer Moskitos wirklich gar nichts. Wir 6 verbringen noch einen lustigen ersten Abend in unserer Casa und schlafen dann in den Betten die für das nächste Jahr unsere sein werden. Den Samstag verbringen wir damit auszuschlafen und einzukaufen, weil für unser Wohlbefinden doch noch einiges Fehlt, zum beispiel ein Bettlaken, weil ich die Nacht unter einer Wolldecke verbracht habe und beinahe umgekommen wäre vor Hitze. Ausserdem wasche ich zum ersten mal meine Gesamte Wäsche von Hand. Die Eroberung Amerikas hätte deutlich schneller und friedlicher vonstatten gehen können, wenn die Conquistadoren einfach Waschmaschinen mitgebracht hätten. Jeder hätte eingesehen, dass diese Kultur großes hervorgebracht hat ;-) Da Arbeit hungrig macht, haben wir alemanes heute abend für alle Hausbewohner und zwei Gäste Schweinebraten gemacht, richtig mit Blaukraut und Knödeln! Es war zwar nicht ganz einfach alle Zutaten zu bekommen und einiges Improvisationstalent nötig, aber am Ende hat es wirklich geschmeckt wie richtiger Schweinebraten, das Blaukraut war wirklich wunderbar und das, obwohl auf einem Herd mit nur einer richtig funktionierenden Flamme zubereitet (zwischendrin war auch noch die Gasflasche leer). Ich muss sagen, dass ich ein wenig stolz auf mich bin, unter diesen Umständen einen ordentlichen Schweinebraten hingebracht zu haben (dem Bayerischen Kochbuch sei Dank ;-) Die anderen alemanes haben mir schon den Beinahmen "Mutti" verliehen ;-)

Morgen werd ich noch einen letzten freien Tag hier verbringen, noch ein paar Sachen reparieren und am Montag beginnt dann meine richtige Arbeit. Ich bin gespannt ;-)

Liebe Grüße, euer Christoph

Wochenende in Nicaragua

Salud Ustedes,
nach einer anstrengenden Woche (jeden tag 4 Stunden spanisch in der Schule, dann noch Hausaufgaben und die taeglichen Besorgungen natuerlich auch auf spanisch) war ich gestern echt froh, dass das rettende Wochenende begonnen hat. Aber auch da gibts jede menge zu tun, wir langweilen uns hier ganz bestimmt nicht ;-)

Am Donnerstag hat Granada zum ersten mal seit 15 Jahren wieder die Baseballmeisterschaft gewonnen, Jakob und ich waren ja auf zwei spielen und haben so unseren Teil dazu beigetragen. Die letzten spiele haben aber alle in Leon stattgefunden, das ist knapp hundert Kilometer (aber gut 3 Stunden mit dem Bus) von hier und auf dauer doch ein bisschen anstrengend. Aber das gute ist ja, dass die Feierlichkeiten wieder in Granada stattfinden. Also sind wir am Freitag abend zum Stadion gefahren und haben dort ein bisschen gefeiert. Zusammen mit gut 5000 anderen Leuten, die sich einfach auf einem großen Platz versammelt haben. Ums Catering braucht man sich ja nicht zu kuemmern, unter jedem Baum baut irgendjemand einen Grill auf oder verkauft Bier und Cola. Die stimmung war zwar ausgelassen, aber nicht so wie bei dein Spielen, ich habs mir irgendwie anders vorgestellt, aber lustig wars trotzdem. Besonders weil Jakob auf einmal zum Tanzen aufgefordert wurde, von einer Frau, die ca. halb so gross war wie er. Ich hab mich schnell unter die aussenrum stehenden Menschen gemischt und so ist dieser Becher an mir vorübergegangen. Dafuer hat sich um Jakob eine schöne Menschentraube gebildet, die ihn fleissig beklatscht und bejubelt hat. Ich hab mich natuerlich auch praechtig amuesiert, Jakob wohl nicht so ;-)
Spaeter treffen wir noch einen unserer Lehrer mit dem wir schon mal was unternommen haben. Ein wirklich netter Kerl, der ziemlich gut englisch spricht, was gelegentlich sehr hilfreich ist. Mit ihm gehen wir mit und werden von seinen Freunden freundlich aufgenommen. Man bietet uns zu trinken an. Das problem ist nur, dass hier der Rum in etwa so getrunken wird, wie bei uns das Bier, da muss ich mich erst ein bisschen dran gewoehnen ;-) Dazu gibt es Chicharon, das ist ausgelassene Schweinehaut. Schmeckt in etwa so, wie die Kruste vom Schweinebraten und kann hier ueberall gekauft werden.
Nach einer halben Stunde ist uns das rumstehen zu bloed (der Rum hat sicherlich auch dazu beigetragen ;-) und wir begeben uns in eine "Bar". Neben mir nimmt ein Lehrer Platz, der von mir ueber die Teilung Deutschlands informiert werden will, und warum da diese Mauer gestanden hat. Mit meinem begrenzten Wortschatz ist es gar nicht so einfach das zu erklaeren (er wollts ja wirklich genau wissen). Was bitte heisst "Besatzungszone" auf spanisch? So zieht sich die erklaerung ein bisschen in die laenge, aber er hoert mir aufmerksam zu, weil er diesen Stoff demnaechst in Geschichte vermitteln soll, aber seine Buecher nicht wirklich viel hergeben. Ich bin also mitten im erklaeren, da stehen unsere Freunde auf einmal auf und bedeuten uns hektisch, dass wir schnell mitkommen sollen. Wir gehen mit, verstehen aber die ploetzliche Hektik nicht so richtig. Auf dem weg ueber den Parkplatz erklaert man uns, dass ein paar andere gaeste uns ausrauben wollten und wir deswegen das weite suchen. Da schaut man schon erst mal. Allerdings kann man sich hier nie so sicher sein, in wie fern man wirklich in Gefahr ist oder nicht, weil es bei den Nicaraguanern eine art Volkssport ist, dich vor allem moeglichen Gefahren zu warnen, die eigentlich gar nicht da sind. Managua ist die sicherste Hauptstadt Suedamerikas, aber die Nicaraguaner scheinen fast ein wenig stolz auf ihre ehemalige "gefaehrlichkeit" zu sein. Aber man weiss eben nie was wirklich dran ist und lieber ein bisschen zu vorsichtig als ein bisschen zu ausgeraubt. Wir gehen also ein paar quadras weiter in eine andere "Bar" und lasen uns dort nieder. Wie um uns zu beruhigen erzaehlt einer unserer Kumpanen, dass sein Bruder hier in diesem Barrio wohnt und er hier "Galactico" genannt wird, weil er in seiner Schulzeit sehr sportlich gewesen sein muss. Da fuehlt man sich doch gleich viel besser ;-)

Am naechsten Tag besuchen wir die Islettas, das sind hunderter kleiner Inseln im Nicaraguasee, die entstanden sind, als vor 10000 Jahren der Vulkan Mombacho, der heute noch aktiv ist in die Luft geflogen ist. Die meisten sind nicht groesser als ein Fussballfeld und viele von ihnen sind bewohnt. Urspruenglich haben sich hier die Piraten der Karibik versteckt, denn der Nicaraguasee ist ueber den Rio San Juan mit dem Atlantik verbunden. Die haben natuerlich in dem Kanalsystem eine wunderbare bleibe gefunden, besser kann man sich fast nicht verstecken. Nach den Piraten haben sich auf den Islettas die aermsten Bevölkerungsschichten angesiedelt, weil hier die Besitzverhaeltnisse nicht geklaert sind. Das Problem dabei ist, dass aufgrund der ungeklaerten Besitzverhaeltnisse Inseln waehrend den Wirrnissen des Krieges und der Revolution immer wieder geraeumt wurden und die Bewohner keinerlei Rechte haben. Auch heute sind viele Inseln noch bewohnt (Esperanzita, die Koechin in unserer Familie wohnt z.b. zusammen mit ihrer Familie, im ganzen 11 Menschen auf so einer Insel), allerdings wurden neben den Wellblechhuetten der armen auch Villen der reichen Familien gebaut, so besitzen z.B. die Familie Pellas (Eigentuemer von Toña und Flor de Caña) und die ehemalige Praesidentin Violeta Chamorro Inseln mit entsprechenden Aufbauten. Wer will kann auch heute noch welche kaufen, ab 30.000 Dollar ist man dabei.
Vorbei an der Villa die der Familie Somoza gehoerte fahren wir durch das Labyrinth aus Wasser, Schwimmpflanzen und Inselchen. Esperanzita hat uns eine Insel empfohlen auf der man gut essen kann. Wir lassen uns dort absetzen, fahren vorher aber noch an Monkey Island vorbei, einem Eiland das sich auf 15m*15m bemisst und von 4 Affen bewohnt wird. Die wurden hier mal aus Forschungszwecken ausgesetzt, weil ein Wissenschaftler herausfinden wollte, ob sich zwei unterschiedliche Affenarten miteinander verpaaren wuerden. So sitzen die Affen also auf ihrer Insel, paaren sich miteinander und werden von allen vorbeifahrenden Touristen mit Bananen gefuettert.

Unsere Essensinsel (mit dem wunderbaren Namen Comeda Justo Condor) ist wirklich traumhaft, wir sind ziemlich frueh dran und deswegen die einzigen beiden Gaeste. Wir geniessen die Ruhe abseits des staendigen Laerms in Granada. Im Wasser vor uns, das zwar nicht wirklich einladend aussieht, aber hier so sauber sein soll, dass man drin baden kann spielen zwei Kinder, die ganz begeistert sind, als Jakob zum Jonglieren anfaengt. Ich lese ein bisschen, schreibe Sachen auf, die mir im Kopf rumgehen und geniesse eine Aussicht, beschattet von einem Palmendach, wie man sie nicht oft im Leben hat. Zum mittagesen bestellen wir uns einen Nicaraguaseefisch (Den namen hab ich leider vergessen), etwa so gross wie ein ordentlicher Karpfen aber mit ziemlich boese aussehenden zaehnen und auch anatomisch anders. Das Fleisch ist weiss, ziemlich fest, aber nicht trocken. Der Geschmack laesst sich schwer beschreiben, ist anders als alle was ich bisher gegessen habe, aber nicht schlecht. Nach dem Essen lese ich noch ein bisschen und lass die Seele baumeln. Nach 4 Stunden auf der Insel fahren wir mit dem Boot wieder zurueck nach Puerto Cabaña Marilla und von dort aus mit dem Taxi nach Granada. Fuer nicaraguanische Verhaeltnisse war der Spass zwar nicht ganz billig, aber auf jeden Fall ein muss fuer alle Nicaraguareisende.

Morgen werden wir vielleicht mal den Mombacho besteigen, da man den Gipfel von unten aus nie sieht, weil er immer von Wolken umhangen ist und naechsten Mittwoch endet auch schon unser Sprachkurs. Dann werden wir noch die Isla de Ometepe besuchen, eine Vulkaninsel im Nicaraguasee und dann nach Managua zurueckkehren. Uebernaechsten Montag beginnen wir dann unsre Arbeit. Ich bin ja mal gespannt.

Liebe gruesse an euch alle,
euer Christoph

Dienstag, 18. September 2007

Das Leben in Granada

Salud ustedes,

hier also der zweite Tatsachenbericht vom anderen Ende der Welt. Momentan hat es hier 31 Grad, 100 % luftfeuchtigkeit (es regnet in Stroemen), aber das ist ganz normal hier, es regnet quasi jeden Tag, aber es wird dabei nicht viel kaelter, nur so zwei, drei grad. Das macht die Feuchtigkeit locker wieder wett, weil es wahnsinnig schwuel ist. Aber mit der Zeit gewoehnt man sich an die Temperaturen und daran, dass man eigentlich immer schwitzt. So ist wenigstens das kalte Wasser nicht so schlimm, das hab ich mir eigentlich bloed vorgestellt, aber jetzt bin ich ganz froh, dass ich ein bisschen erfrischt werde. Inzwischen hab ich auch den wahren Grund herausgefunden, warum es hier keine zweistoeckigen Haeuser gibt: Da wuerde einfach kein Wasser mehr ankommen ;-) Es ist so, dass das Wasser hier rationiert wird, es gibt einfach ein paar stunden am Tag (die man vorher der Zeitung entnehmen kann) kein Wasser. Wenn es dann welches gibt, braucht natuerlich jeder welches, und dementsprechend stark kommt es dann auch aus der Leitung geschossen ;-) Im Waschbecken gehts meistens noch, aber aus der Dusche kommt oft einfach nix raus, da muss man dann einfach warten, oder aus dem Becken schoepfen, dass es hier so gut wie in jedem bad, falls man mal wasser braucht, und es keines gibt. Genauso ist das mit dem Strom hier, der wird auch rationiert, dass ist aber eigentlich weniger schlimm, da kann man sich helfen. Ausserdem haben die meisten Hotels und Cafes hier Generatoren, die dann auf die Strasse gestellt werden und dort einen hoellenlaerm veranstalten. Bei unserer Familie gibts gluecklicherweise einen grossen akku, der dafuer sorgt, dass man wenigstens noch licht hat, wenn der strom ausgeht (oder das Licht weg, wie die leute hier paradoxerweise sagen) Aber dann braucht man nicht mehr auf die Strasse gehen, weil man sein eigenens Wort nicht mehr versteht. Wenn die Granadienser sich zusammengetan haetten und fuer das geld, dass sie in generatoren gesteckt haben ein Kraftwerk gebaut haetten, waere das wohl praktischer gewesen. Bei uns waere das wohl ueber den Strompreis geregelt worden, aber hier ticken die Uhren eben anders.
Mein Spanisch macht ziemliche Fortschritte, mittlerweile kann ich mich mit mitreisendem im Bus unterhalten. Wirklich tiefsinnig sind die gespraeche noch nicht, aber es geht. Ich kann beinahe alle Sachen erzaehlen, die ich erzaehlen will (sogar, dass man in deutschland ein Geraeuschpruefungszertifikat fuer wasserhaehne braucht. Auch wenns nicht einfach ist, weil natuerlich alle erst mal davon ausgehen, dass sie sich verhoert haben). Jakob und ich leben uns allmaehlich bei Rosita ein, es wird wohl wieder schwierig werden nach Managua zurueckzukehren. Aber dort koennen wir uns dann einen internetanschluss zulegen, auf die dauer ist das naemlich billiger als jedes mal ins internetcafe zu gehen, ausserdem koennen wir so uebers internet telefonieren, was sonst auch nicht gerade billig ist. Und natuerlich die bequemlichkeit ;-)
Allmaehlich beginn ich auch mich an die Zeit zu gewoehnen und geh nicht immer schon um 8 Uhr ins Bett (ich bin dafuer auch immer um 6 Uhr wach, weil dann die Voegel wahnsinnig werden und die Strassenhaendler ihre Musikstaende wieder aufbauen, die natuerlich lautstark auf sich aufmerksam machen. Dort gibt es uebrigens ausnahmslos Raubkopien zu verkaufen. Mit kopierten Covern und allem drum und dran. Die Polizei steht nebendran und bewacht die Strasse. Die haben hier andere Probleme. Am Mittwoch sind wir ein bisschen ins Nicaleben eingetreten: Wir waren im Baseballspiel. Dazu erst ein paar Worte zum System: Es gibt hier sowas wie bei uns die Bundesliga, da spielen vorne mit: Granada, Managua, und Leon. Der beste aus sieben spielen gewinnt. Leon hat schon 3 spiele gewonnen, Granada noch keines, Managua meinen Informationen zufolge auch noch nicht. Die begegnung am Mittwoch war Granada - Leon, fuer Leon ging es also um etwas. Wir sind also ins Baseballstadion gegangen (ueberdachte Sitzplaetze, weil wir dachten, dass es regnen wuerde, fuer 50 Cordoba) Dort hat man dann freie Platzwahl. Das Spiel geht los, Granada hat die erste Runde und geht gleich mal 1:0 in fuehrung. Jetzt kommt Leon und es geht richtig Los. Ca. 50 Leute haben die 3 Stuendige Anfahrt auf sich genommen und beginnen jetzt einen Radau zu machen, dass jeder Club oder jede Hertha BSC stolz waere, wenn ein volles Stadion das hinbekommen koennte. Aber nicht einfach blos krach, sondern vorher einstudierte lieder, die natuerlich eine etwas andere musikalische Richtung haben als bei uns. Mir hats eigentlich richtig gefallen. Natuerlich bleibt da auch keiner sitzen, sondern alle stehen auf den Stuehlen und tanzen und trompeten und singen usw. Es geht richtig gut fuer Granada, sie fuehren bald 3:1, allmaehlich werden die Fans agressiver. Auf jeder Seite faengt man an Geld zu sammeln, damit die anderen Fans (die natuerlich die Verlierer seien sollen) nicht so traurig sein muessen. Die meisten schmeissen ein paar muenzen in den Hut, ein paar Ultras wedeln mit ihren Geldbuendeln. Irgendwann wir ihnen das scheinbar zu langweilig und jetzt messen sich die Frauen untereinander, wer besser tanzen kann und mehr Blicke auf sich zieht ;-) Da traeumt wohl auch mancher Clubfan davon. Waehrend diesem Spektakel muss man natuerlich keine Angst haben, alle 2 minuten kommt jemand vorbei und fragt nach, ob mann nicht noch ein Bier oder noch eine Pizza oder was auch immer haben will. Der Muell bleibt auch nicht liegen, sondern wird sofort wieder eingesammelt. Das Problem ist blos, dass diejenigen die die Aludosen einsammeln zwischen 4 und 6 Jahren alt sind und pro Pfund Alu 5 Kordoba bekommen. Was ich besonders schlimm finde, ist wie die Leute hier mit diesen Kindern umgehen. Die Dosen werden einfach fallengelassen und die Kinder sammeln sie dann auf. Ich behalte sie so lange, bis wieder jemand vorbeikommt und geb meine Dose ab. Das sammeln machen in den Stadien die juengsten, weil die am besten durch die Stuhlreihen schluepfen koennen. Wenn man zwischen 6 und 9 Jahren alt ist, kann man schon Kaugummis und Zigaretten verkaufen. Danach, bis 14/15 werden dann Getraenke verkauft, wenn man noch weiter aufsteigt in der Karriereleiter, kann man Pizza und Gallo Pinto verkaufen. Am ende gewinnt Granada, es ist also noch offen.
Am Freitag fahren Jakob und ich auf den Markt in Masaya, auf dem Weg dorthin treffen wir einen Paedagogikprofessor im Bus, mit dem wir uns nett unterhalten, er zeigt uns auch den Weg zum Markt und wo wir was finden. Dort kaufen wir ein bisschen ein. Hier ist Verhandlungsgeschick gefragt, vor allem weil wir anfangs immer fuer Gringos gehalten werden, und die sind aufgrund der Nicaraguanisch-Amerikanischen Vergangenheit nicht so richtig beliebt. Ich ueberlege mir ein paar Schuhe zu kaufen, wir gehen also in einen Schuhstand, schauen uns ein paar an, Jakob gefaellt auch ein paar. Wir fragen nach unserer Groesse, die sie auch da haben (wir sind ja hier wahre Riesen). Alle Marktfrauen aus der naeheren Umgebung sind zusammengekommen und schaun uns beim Schuhekaufen zu und "beraten" uns. Es werden Schemel gebracht, damit wir die Schuhe anprobieren koennen. Leider passen sie doch nicht richtig, und ich habe noch keine Schuhe. Aber ich bin ja noch eine Weile hier. Nach dem einkaufen fahren wir wieder zurueck nach Granada. Im Bus unterhalte ich mich mit einem Maler, der in der Ukraine gearbeitet hat und einer Architekturstudentin aus Granada. Ich frage mich zwar, wozu man hier Architekten braucht (aber eher noch als Statiker ;-), aber sie Studiert das eben. Nach ein paar Minuten laed sie uns ein, mit ihren Eltern auf ihre Finka zu fahren und dort das Wochenende zu verbringen. Dieses Wochenende ist leider schon verplant (das naechste Baseballspiel in Leon), aber ich gebe ihr meine Handynummer. Zur sicherheit flechte ich noch ein paar mal ein, dass ich eine Freundin habe (Rajka, die leidenschaftliche Tomatenzuechterin (dadurch ist sie uebrigens ueberhaupt draufgekommen, weil ich wissen wollte, was man hier noch so anpflanzen kann und sie gesagt hat, dass in ihrer Finka Mandarinen wachsen), Rajka, wegen der ich ja das Handy habe, damit sie mich anrufen kann, ich mussts ja irgendwie einflechten, sonst waers ja auch bloed gewesen ;-) Mal sehen ob sie sich meldet, interessant waers auf jeden Fall.
Am Samstag sind wir dann mit dem Bus nach Leon gefahren um die naechste Begegnung Granada-Leon anzuschauen, diesmal mit dem Expressbus, weil wir ein bisschen spaet dran waren. Dieser Bus macht seinem Nahmen wirklich alle Ehre und saust mit 140 ueber die Autobahn, eben was die Muehle hergibt. Das Problem ist nur, dass es noch andere Expressbusse gibt, die natuerlich ihren Ruf verteidigen muessen und die sich erbitterte Rennen liefern. Jetzt gibt es hier aber alle 5 Km eine wendemoeglichkeit, so eine Art Kreisverkehr mitten auf der Autobahn. Dort gibt es dann nur noch eine Spur. Jetzt fahren also zwei Busse so nebeneinander her, jeder versucht den anderen zu ueberholen, aber keiner schafft es. Der Kreisverkehr kommt immer naeher. Was macht man? Klar: Hupen. So hupen sich beide Busse an und warten drauf, dass der andere bremst. Ich weiss nicht wie, aber irgendwie haben wir diese Fahrt ueberlebt ;-) (ein anderer feiner Trick schneller zu sein, ist es bei einer roten Ampel einfach rechts abzubiegen (wie beim Gruenen Pfeil), mit dem Bus eine 180 Grad Wende zu machen und noch mal rechts abzubiegen. Die Verkehrsinseln machen die Sache nur interessanter.
Nach drei Stunden Fahr in Leon angekommen (der teil nach Managua war weniger spannend, weil die Strasse hier einfach schnurgerade durch den Urwald geht) kommen wir fast noch rechtzeitig ins Stadion. Die Stimmung hier ist noch besser als in Granada, weil mehr Leon-Fans da sind. Nach einem ewig dauernden Spiel (3,5h, das ist auch interessant, der deutschen Volkssport ist recht gut planbar, da grob auf 90 Minuten begrenzt, hier dauert das Spiel eben, bis es vorbei ist) draengt uns Omar (einer unserer Lehrer) uns zu beeilen und wir schicken uns in einen vor dem Ausgang geparkten Bus zu kommen. Kaum sind wir drinnen, wird der Bus von Polizisten umstellt. Ich weiss nicht recht, was los ist. Wie sich herausstellt, sind die Polizisten zu unserem Schutz da. (Wer sich in Mittelamerika ein wenig auskennt, weiss, dass es in El Salvador mal einen "Fussballkrieg" gegeben hat, der nach einem Match erbitterter Feinde seinen Anfang gefunden hat) Wir weden also von der Polizei eskortiert, bis wir Leon verlassen haben. Das bloede ist blos, dass in den Bus nach deutschen Verhaeltnissen vielleicht 60 Leute passen. Drin sind ca. 120. Die 4 Stunden dauernde Rueckfahrt verbringe ich stehend, eingequetscht zwischen den schwitzenden Koerpern dutzender Baseballfans. Naja, es gibt schoeneres.
So, zum Abschluss will ich euch noch erzaehlen, was ich heute (Sonntag) zum Fruehstueck bekommen hab. Den Namen hab ich leider vergessen, deswegen hier eine kurze Beschreibung: Eine Art Maismehlknoedel (so gross wie zwei ordentliche bayerische Knoedel), aber mehr oder weniger rechteckig, gefuellt mit Reis, Tomaten und Schweineschwarte eingewickelt in ein Bananenblatt. Geschaetzte Kalorien: 10.000. Ich bin ja ein freund des deftigen Fruehstuecks, aber das war echt heftig ;-)
Noch was: "Fresco de Pintaya" ist ein Erfrischungsgetraenk, dass man hier an jeder Ecke erwerben kann. Zutaten: Wasser, Zucker, die Frucht, die hier Pintayz, bei euch "Dragonfruit" heisst und etwas Limonensaft. Schmeckt sehr lecker! Das ganze ist so rosa, dass man nicht durchschauen kann. Der Strohhalm ist uebrigens durchsichtig, wurde aber zu demonstrationszwecken mit dem Saft gefuellt. Die Farbe ist uebrigens auch noch nachzuweisen, wenn dieses Getraenk den Koerper wieder verlaesst ;-)
Was gibts in der Heimat neues?
Liebe Gruesse, euer Christoph

Sonntag, 9. September 2007

Wieder Schule

Salud Ustedes (inzwischen hab ich herausgefunden, dass die Nicas die 2. Person Plural nicht benutzen, überhaupt nicht. Sie nehmen dafür die 3.p.Ganz schön abgefahren, was?)

Gleich am nächsten Tag nachdem Jakob und Ich unser neues Heim bezogen haben (bilder habt ihr ja schon bekommen) sind wir wieder weiter nach Grenada. Erst hat es geheißen wir würden mit dem Pickup dorthin gebracht werden (weil der Ticabus zu gefährlich ist ;-) , aber dann hatte doch niemand Zeit und wir haben den nicaraguanischen öffentlichen Personennahverkehr kennengelernt. Rachel hat uns zur Bushaltestelle gebracht, die sowas wie der dreh und Angelpunk für Verbindungen in den Südosten ist: eine Parkbucht auf der "Autobahn" nach Masaya und Granada. Von unserem Haus zu fuß etwa 5 Minuten. Dort fährt alle zwei Minuten ein gelber Bus vorbei (genau wie die in der Stadt, eben bloß für den Fernferkehr; genannt "Ticabus") Auf den Bussen vorne drauf steht irgendwo zwischen dem Namen des Busfahrers (man muss ja zeigen, dass man stolz ist auf seinen Bus!), einem Spruch wie: "Jesus ist der größte" oder "Daniel Ortega ist der größte", Knorr- oder Colawerbung und sonstigen Gemälden das Ziel dieses Busses. In unserem Falle Granada. Allerdings kann man diese Schilder nur mit einiger Übung lesen, weil man diese Information auf den über und über bemalten Bussen erst mal finden muss. Damit auch niemand die knallgelben Busse übersieht, wird ca. einen Kilometer vor Ankunft an der Bushaltestelle damit begonnen ordentlich zu hupen. Wenn man das nicht gewohnt ist erschrickt man erst mal ordentlich, weil die Hupen etwa so tun wie Nebelhörner von Supertankern. Während man auf seien Bus wartet, kann man sich derweil von den Fahrenden und laufenden Händlern mit allem eindecken was man für die Reise benötigen könnte: Süßes, saures, salziges, flüssiges, festes, Souvenirs, Ventilatoren, oder wen man spontan einen Fernseher kaufen will. Lange braucht man aber nicht zu warten, da etwa alle 10 Minuten ein Bus in jede beliebige Richtung fährt.

MIt großem Getöse kommt also unser Bus an, jeder Sportauspuffbesitzer wäre stolz auf diesen Sound. Wir verabschieden uns und wollen vorne einsteigen. Doch man pfeift uns und winkt uns zur Rückseite des Busses. Dort ist eine Notausstiegstür durch die wir reingezogen werden, unsere Rucksäcke sollen schließlich nicht den Weg versperren. Wir stellen sie auf den Boden und setzen uns drauf. In den Ticabussen fährt wirklich jeder mit: Viehhändler, Maurer, verliebte, Schüler, arbeiter, wir zwei Gringos, Händler die während der Fahrt dafür sorgen, dass niemand verdurstet (oder ohne Fernseher ankommt). Während wir durch die Vororte
von Managua fahren steigen immer wieder leute zu und aus. Doch dazu wird nicht angehalten, aber immerhin gebremst, so dass man abspringen kann. Ein Mitreisender hat ein Fahrrad dabei, dass bei seine Ausstiegsstelle aus dem Hintereingang geworfen wird. Auf dem halben weg nach Managua über die eigentlich wirklich gute Straße (das inzige Hindernis sind die ab und zu in der Mitte fahrenden Ochsenkarren, doch die werden einfach zur seite gehupt, die Ochsen springen richtig weg ;-) steigt auf einmal ein dunkelhäutige Mann ein, dessen Gesichtszüge mich an die eines Inders erinnern. Er setzt sich aber nicht hin, obwohl eigentlich genug Platz wäre.Als der Bus losfährt wird klar warum: Er fängt an irgend eine Geschichte zu erzählen. Ich hab leider keine Ahnung um was es geht, ich verstehe überhaupt nichts, weil er 1. sehr schnell redet und 2. nuschelt. Vermutlich versucht er die mitfahrenden von seinem Glauben zu überzeugen oder er ist einer der vielen Anpreiser der durch die Straßen laufen/fahren und die besten Angebote unterbreiten. Das natürlich Lautstark mit riesigen Lautsprechern auf dem Dach. Nach einer dreiviertelstunde kommen wir am "Busbahnhof" in Granada an, einer art Schrottplatz mit Lehmboden. Dort gibt es wieder allerhand zu kaufen, aber wir werden nach einem kurzen Telefonanruf abgeholt. Little Roger (der Sohn von Roger, dem die sprachschule gehört) kommt mit dem Taxi und bringt uns zu unserer Gastfamilie. Zur Straße hin verrät sich das haus nur durch eine kleine, unscheinbare Tür, die vergittert ist (wie alles hier). Doch es ist ca. 30 meter tief. 2 Innehöfe lassen licht in die Küche, das "Esszimmer" und das "Wohnzimmer". Zimmer kann man schlecht sagen, weil hier bis auf die Schlafzimmer alles offen ist (eben nur überdacht). Bei den Temperaturen hier ist das aber auch kein Problem. Rosita, die Hausherrin bringt uns erst mal kühlen Eistee und wir setzen uns ein wenig hin. Dann zeigt man uns unser Zimmer. Es ist ein hergerichteter Schuppen im Hinterhof. Aber sehr sauber. Die Bäume davor versprechen etwas kühlere Temperaturen, das mit Bambus gedeckte Dach hällt die Sonne ab. Das Bad ist auch recht ordenlich. Es ist einfach aus Beton und von oben bis unten blau gestrichen. Ich wundere mich blos über
ein ca. 80l fassendes Becken in einer Ecke des Bades. Rosita erklärt, dass hier das Wasser rationiert wird, es gibt also jeden tag für ein paar Stunden kein Wasser aus der Leitung und aus diesem Grund sollte man sich hier immer etwas aufheben. Wir lassen also erst mal das Becken vollaufen und gehen dann mit Roger Junior durch die Stadt. Er zeigt uns noch die Schule, dann sind wir uns selbst überlassen. Wir beschließen mal zum Lago de Nicaragua zu gehen, dem größten Süßgewässer Mittelamerikas. Der See soll zwar um einiges sauberer sein als der Managuasee, an Baden ist dennoch nicht zu denken. Auf dem Weg dorthin läuft uns ein Nica über den Weg. Er "möchte uns die Stadt zeigen und von seinem Land erzählen", ausserdem findet er es sehr wichtig sich mit fremden zu unterhalten und so die Völkerverständigung voranzubringen. Er geht eine weile neben uns her. Irgendwann kommt uns die sache aber komisch vor, was sich auch bestätigt. Eigentlich sei er ja ganz froh hier, er sei zwar nicht reich an Geld, dafür reich im Herzen. Ausserdem findet er betteln nicht gut, er möchte arbeiten und zeigt den leuten die Stadt. Allmählich dämmert es uns. Wir sollen ratenwie viele Cordobas er brauch um sich und seine Tochter eine Woche zu ernähren. Wir liegen gar nicht so schlecht. Nun wird es ihm wahrscheinlich zu blöd mit uns herumzurennen und er sagt, dass er ja glücklich ist, aber im Moment eben doch ein bisschen traurig: Er hat nichts mehr zu essen und ob wir ihm nicht ein bisschen was geben könnten. Und genau hier ist das Problem, an dass ich mich wohl gewöhnen muss. Gibt man ihm Geld, kann man sich nicht sicher sein für was es Verwendet wird, ausserdem wird dadurch das Problem nicht gelöst, sondern bloß die Symptome gelindert. Am geschicktesten wäre es wohl ihm etwas zu essen zu kaufen, aber wir sind am Seeufer wo es wohl aufgrund des Gestankes keine touristen und in Granada auch keine Händler gibt. Nach einigem Hin- und Herüberlegen und nachdem er uns 100 mal beteuert hat, dass er das Geld wirklich für Essen verwenden würde, geben wir ihm 5 Dollar. Für ihn ein Wochenlohn, aber war das jetzt richtig? Ich weiß es nicht.

Als wir wieder zuhause ankommen (mein Zuhause wechselt momentan häufig ;-) hat Esperanzita (kleine Hoffnung), die Haushälterin bereits das Abendessen hergerichtet. Es gibt eine Hühnersuppe mit Mais, Kartoffeln, Platanos, irgendwelchem Wurzelgemüse und Sellerie. Es schmeckt wirklich sehr gut. Wir bedanken uns für das essen und wir bekommen erklärt, dass diese Suppe "una comida tipica de Nic" und "muy rico" sei. Eigentlich ist alles was wir hier essen "tipico de nicaragua" und "muy rico" mein (noch) begrenzter Wortschatz gibt einfach nicht mehr her ;-). Nach dem Essen fallen wir bald ins Bett und schlafen um 9 Uhr schon tief
und fest.


Am nächsten Tag beginnt für uns beide wieder die Schule, allerdings mit einer Klassengröße von 1. Jeder hat seinen eigenen Lehrer (bzw. 4 für verschiedene Schwerpunkte, die sich abwechseln). Unser Unterricht dauert jeweils 4 Stunden, das ist ganz schön anstrengend, aber dafür ziemlich effektiv. Nach der Schule gehen wir wieder heim, essen zu mittag und machen unsere Hausaufgaben. Die Nachmittage verbringen wir irgendwo in Granada oder lesen ein wenig.


Nach zwei Schultagen naht glücklicherweise schon das Wochenende, an diesen Schulstress muss ich mich erst wieder gewöhnen ;-). Wir überlegen was wir machen könnten: Zur Auswahl steht die Isla de Ometepe, eine Bilderbuchvulkaninsel im Nicaraguasee, die allerdings ein paar Stunden entfernt ist. Dafür bräuchten wir das ganze Wochenende, was uns nach nureiner woche allerdings doch ein bisschen zu viel ist. Deswegen suchen wir uns ein näheres Ziel, die Laguna de Apoyo, ein Kratersee in einem erloschenen Vulkan. Neben unserem Haus ist gleich ein Hostel für Backpacker, die eine Fahrt dorthin für 3 Dollar anbieten wir schreiben uns dort ein und sind erst mal überrascht, dass am nächsten Morgen ein nagelneuer Kleinbus vor uns steht. Ausser uns steigen noch 16 Amerikaner ein, die furchtbar stolz
sind in einem so armen teil der Welt zu sein. Erst mal das finde ich bekloppt, außerdem ist Granada im Vergleich zu Managua eine Insel der Glückseligkeit. Naja, wir fahren also eine halbe Stunde durch die Landschaft, die Amerikaner gehen mir auf die Nerven, weil sie ständig damit prahlen in welchen anderen drittweltländern sie schon waren und wie gefährlich es dort war und kommen schließlich an: an einem anderen Hostel, direkt am See. Wir haben uns dafür angemeldet, weil im Prospekt stand, dass man dann für 2 Dollar extra Kanus gratis benutzen kann. Das ist zwar ganz praktisch, aber wenn wir gewusst hätten in welcher Gesellschaft wir dafür sind, wären wir wieder mit dem Ticabus gefahren. Getränke und Essen in diesem Hostel sind verdammt teuer (für Nicaraguanische Verhältnisse) und das Geld das wir dort ausgeben kommt nicht bei der Bevölkerung, sondern bei dem Amerikaner an, der dieses Hostel errichtet hat. Im Nachhinein ärger ich mich sehr darüber nicht
auf eigene Faust hierhin gefahren zu sein, aber was solls. Sieht man von diesen Ärgernissen ab, war es wirklich wunderschön. Das Wasser hatte wohl 30 Grad, fast schon zu warm (ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde) und glasklar. Die Landschaft war natürlich beeindruckend, weil man über die 6km, die der See "durchmisst" komplett außen rum sehen konnte. Keine Bäume im Weg, wie sonst in diesem Urwald. Vormittags fahren wir beide ein wenig mit dem Kajak raus und schwimmen ein bisschen, dabei unterschätzen wir aber die Äquatorsonne, die uns schon nach 20 Minuten die Schultern verbrannt hat. Man schätzt das leicht falsch ein, weil einem die Sonne, die ja senkrecht am Himmel steht kaum Auffällt, weil sie nich blendet. Aber beim nächsten mal wissen wir bescheid und so schlimm ist es nicht. Den Nachmittag verbringe ich mit lesen und bringe auf einen Satz Dürrenmatts "Romulus der Große" hinter mich. Ein wirklich gutes Buch, aber wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, brauch ich bald neuen Lesestoff. Um 5 Uhr fahren wir wieder zurück und essen zu abend. Meike, eine Hollendärin die muttersprachlich deutsch spricht und auch bei unserer Familie wohnt fragt uns, ob wir noch mit ihr weggehen wollen. Wir begleiten sie erst zu dem Haus ihrer Verbindung in dem noch 5 andere Holländer sitzen, die in der Umgebung an irgendwelchen Projeten arbeiten. Wir unterhalten uns ganz gut, ich gebe die 5 Sätze holländisch zum Besten, die ich beim Segeln gelernt habe, dann brechen wir auf ins
Nachtleben von Granada.Wir gehen durch die nächtlichen Straßen, vorbei an Touristenclubs, die 50 Cordoba eintritt verlangen zu einem open-air-club. Hier kostet der Eintritt 20 Cordoba und kein Reggaeton, sondern Salsamusik schallt uns entgegen. Wir betreten einen Innehof in dem mehrere Pavillons aufgestell sind. Auf dem mit großen Steinen gepflasterten Boden stehen kleine Holztischchen und Schemel. Über den Garten verteilt stehen ein paar Palmen und im schein der Kerzen und Fackeln sitzen etwas 200 Leute herum, unterhalten sich und trinken Cocktails und Bier. Unter einem festen Dach befindet sich die Bar, eine kleine Tanzfläche auf der die Hüften geschwungen werden und eine kleine Bühne auf der 6 Musiker stehen und Salsa spielen. Das ist richtig gut, mal was anderes in einem Tanzclub und lustig ist es trotzdem. Mir gefällt es wunderbar, wir setzten uns und trinken ein wenig.
In Nicaragua gibt es zwei sorten Bier: Victoria, was pilsartig ist und sich eigentlich trinken lässt und Tona, was blos nach Wasser schmeckt. Dummerweise gibt es hier nur Tona und ich weiche auf Mojito aus ;-)Wir haben bloß ein Problem: um 12 Uhr sperrt Rosita die Haustüre zu und wir kommen nicht mehr rein. Meike hat uns zwar angeboten im Verbindungshaus zu übernachten, aber ein eigenes Bett verspricht eben doch mehr erholung. Wir müssen uns entscheiden. Da beginnt die Band wieder zu spielen und die Sache ist gegessen: Wir bleiben noch ;-)


Am nächsten morgen gehen wir bald heim, die Mücken haben mich kaum schlafen lassen und ich bin froh im eigenen Bett noch ein paar Stunden liegen bleiben zu können. Nach dem Mittagessen gehen wir zur Bank, um Geld zu holen. Wir müssen die Sprachschule und die Gastfamilie bezahlen. Pro Woche kommen so 170 Dollar zusammen. Da ich für jedes mal abheben 5 Dollar gebühr zahlen muss, nehme ich gleich das Maximum, 400 Dollar ab und renne auf dem Rückweg mit mehr als dem Jahresverdienst eines durchschnittlichen Nicas rum. Wieder so ein eigenartiges Gefühl. Aber auch daran werde ich mich gewöhnen müssen.

Nachdem ich diese Mail geschrieben hab, werd ich noch ein bisschen spanisch lernen und sehn was der Tag bringt. Diese Woche werd ich auch noch mal auf den Markt schaun und einen Photo mitnehmen. Denn was es dort gibt, ist wirklich sehenswert.

Liebe Grüße vom anderen Ende der Welt,


euer Christoph

Donnerstag, 6. September 2007

Die ersten Tage

Salud Vosotros!
Die ersten Tage in Managua sind vorbei, wir haben alles gut über die Bühne gebracht. An unserem ersten Tag hier wurden wir der Gemeinde kurz vorgestellt, und haben ein paar Sätze auf spanisch gesagt, so schlecht war es gar nicht ;-) . Doch wir waren nicht die einzigen Gringos: Eine Delegation aus South Dakota war zu besuch und hat sich die letzten beiden Wochen die Umgebung angeschaut. Sie wollten noch eine Stadttour machen und haben uns gefragt ob wir mitwollen. Nachdem wir zuhause angerufen hatten (seit dem Flug waren wir nicht dazu gekommen und mit der Zeitverschiebung ists ja auch nicht so ganz einfach), stiegen wir also in den Bus der Gemeinde. Kennt ihr die Simpsons? Genau so ein gelber Schulbus war das, die fahren hier überall rum, weil die Amerikaner die irgendwann los werden wollten und hier dankbare Abnehmer gefunden haben. Sie machen zwar einen Heidenlärm (die meisten sind ohne Auspuff) und rauchen wie ein ukrainisches Kohlekraftwerk, aber man kommt damit von A nach B.
So sind wir erst mal zur alten Kathedrale gefahren, die beim Erdbeben 1972 zerstört wurde und die in jedem Reiseführer über Managua abgebildet ist. Sie sieht ziemlich geisterhaft aus: Das Dach und die Fenster Fehlen, aus den Ritzen zwischen den Steinen wachsen Gras, Moos und kleine Bäume. Auf dem Platz davor stehen einige Stellwände mit Fotos aus Zeiten, als die Kirche noch ganz war. Manche sind noch aus dem 19. Jahrhundert. Sieht wirklich sehr geschichtsträchtig aus.
Wir gehen über den Platz, überall fliegen Müll- und Papierfetzen herum und Kinder versuchen uns aus Palmenblättern gefaltete Blumen und Heuschrecken anzudrehen. Immer wieder muss ich ihnen erklären, dass ich keine Cordobas habe. Es ist ein komisches gefühl.
Unser Busfahrer Fernando kutschiert uns weiter durch die Stadt, vermutlich haben die Amerikaner ihm eingebläut, dass er nicht schneller als 20 Km/h fahren soll und so ist er oft der Verlierer, wenn es darum geht die 1,50 m zwischen einem Pferdekarren und einem Plantagentruck zu erobern. Gebremst wird aber grundsätzlich nicht, irgendwie passt man immer durch.
Wir gehen auf einen Markt zum Essen, Rachel oder Raquel (sprich: Rakell), die Freiwillige aus Amerika, die bereits seit zwei Jahren hier lebt, bringt uns in ein "Restaurant" in dem wir bedenkenlos essen können. Unsere Mägen sollen sich schließlich erst langsam an die Umstellung gewöhnen. Zum essen gibt es Pollo (Hühnchen, fritiert), dazu Reis (noch kein Gallo Pinto! (Das Nicaraguanische Nationalgericht)), etwas Salat und Planteiros, das ist so etwas ähnliches wie Bananen, die aber eher wie Kartoffeln schmecken und auch ähnlich verwendet werden: In feine Scheiben geschnitten, fritiert und mit etwas Salz sind sie fast wie Chips. Einer der Jungen mit den Faltblumen ist uns über den Markt gefolgt und während den 2 Stunden die das Essen gedauert hat nicht von unserer Seite gewichen. Er fragt ob er die Reste haben kann. Wir überlassen ihm das was wir nicht mehr geschafft haben. Die Gesamte Mahlzeit mit Getränken kostet ca. 35 Cordoba pro person, 1,50 €.
Nach dem Essen schlendern wir noch etwas über den Markt, Jakob und Ich fahren dann zusammen mit Louis und Fernando zum Centro Mercateo, wo ich mir ein Handy kaufe, damit ich im Notfall, oder wenn ich verlorgen gehe telefonieren kann. Wer will kann mich auch anrufen: 00505/6138603, denkt aber bitte an die 8 Stunden Zeitverschiebung (ich bin 8 Stunden hinterher).
Abends waren wir noch zusammen Essen, unter einem mit Palmblätter bedeckten Dach. Es gab mit Bohnen und Käse gefüllte Tortillas und Krautsalat, typisch El Salvadorianisch.

Am nächsten schlafen wir erst mal aus. Um 10 Uhr beschließen wir das Barrio, unsere Nachbarschaft zu erkunden. Auf dem Weg durch die Straßen, kaufen wir hier einen Tortilla (für einen Cordoba), dort eine Cola (7 Cordoba) oder ein Hühnchensandwich (10 Cordoba). Ausserdem habe ich einen Lötkolben gekauft, weil der Stecker von der USB-Karte abgegangen ist. Was man nicht alles braucht ;-)
Am Nachmittach telefonieren wir mit Rachel, sie wird uns um 5 Uhr abholen und zum ersten Mal zu unserer Casa bringen. Wir haben noch genug Zeit für eine Cola. Das ist nicht ganz einfach. Entweder trinkt man die Cola gleich, dann bekommt man sie in der Flasche, zum mitnehmen gibt es Cola in Plastiktüten, weil die Läden nur dann beliefert werden, wenn sie leere Flaschen zurückgeben. So spart man sich das Pfand.

Um 5 Uhr fahren wir mit dem Taxi ein mal quer durch Managua. Eine weitere Schilderung des Straßenverkehrs spar ich mir an dieser Stelle. Das Haus ist etwa doppelt so groß wie ich es mir vorgestellt habe. 3 Große Zimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Freisitz bieten genug Platz für uns Beide. Die meisten Zivildienstleistenden in Deutschland würden uns um so eine Wohnung beineiden. Der Innenhof ist auch großzügig und es gibt sogar ein Beet, in das ich demnächst Tomaten pflanzen werde. Ich hoffe die Samen, die ich aus Rajkas Garten mitgenommen habe gehen auf. Vor dem Haus ist noch mal ein Patio (=Hof) und in dem Wächst eine Palme. Heute nacht hat es ziemlich gestürmt und geregnet, auch der Strom ist für eine halbe Stunde ausgefallen (wohl ausläufer von Felix), aber das ist hier nichts besonderes. Und als ich in der Früh wieder raus geschaut hab, lagen drei Kokosnüsse auf dem Boden ;-) Wer hat sowas schon. Auch die ganzen Möbel sind hier aus Teakholz, weils einfach das billigste Holz hier ist ;-)

Heute, am 5. September haben wir im Haus erst mal ein wenig sauber gemacht und unsere Koffer ausgeräumt, danach gleich wieder gepackt, weil wir jetzt, am Nachmittag mit dem Bus nach Granada in die Sprachschule fahren werden. Das wird noch mal interessant. Granada soll sehr schön sein, eine alte Kolonialstadt, die auch viel kleiner ist als Managua. Der Rucksack ist schon gepackt und in einer halben Stunde etwa werden wir aufbrechen. Jakob übt grade noch ein bisschen mit der Trompete, die Nachbarn werden sich wundern. Wenn wir da sind, lass ich wieder von mir hören.

Liebe Grüße an euch alle,
euer Christoph

Montag, 3. September 2007

Ich bin angekommen

Salud Vosotros!
Nach einer beinahe ewig erscheinenden Reise sind Jakob (meinMitreisender) und ich in Managua angekommen. Der Abschied ist uns beiden nicht leicht gefallen, denen die wir zurückgelassen haben auch nicht.Ein Jahr ist eben doch eine lange Zeit. Aber diesen "kick" wollten wir
uns ja geben, auch wenn wir in München am Flughafen nicht mehr so sicher waren ob die Idee wirklich so gut war. Besonders schwer war der Flug über den großen Teich. 10 Stunden Flug sagen sich so schnell,ziehen sich aber eben ewig dahin, wenn man dann wirklich drin sitzt
schauts schon wieder ganz anders aus und man hat Zeit zum nachdenken;viel Zeit.Nach diesem strapaziösen Flug sind wir um 22.00 Uhr eurer Zeit in San Jose (sprich San Chose) in Costa Rica gelandet, dort war es grade 14.00 Uhr. Wir hatten ein paar stunden Aufenthalt, unser nächster Flieger nach Managua, Nicaragua (eine zweimotorige Propellermaschine ;-) ging um 18.05 und beim Abflug war es schon zappenduster. Wie bei uns nachts um 2. Nach etwas über einer Stunde Flugzeit sind wir in Managua gelandet und die Spannende Frage "Gepäck da oder nicht??" wurde gelöst. Es war uns wirklich den Ganzen Weg über gefolgt. Beinahe unvorstellbar. Die Einreise war auch kein Problem, es wurde wahrscheinlich nur geschaut ob
wir was angekreuzt hatten oder nicht, danach: "Puedes passar". Auch unser 90-Tage Visum war kein Problem.

Am Flughafen wurden wir von ein paar sehr netten Jugendlichen aus der Gemeinde abgeholt und mit dem Pickup durch Managua kutschiert. Das war sehr beeindruckend, in etwa so wie man das aus Dokumentationen über drittweltländer kennt. Ziemlich chaotischer Verkehr, zu Fuß ist fast niemand unterwegs. Die "Wohnungen" Bestehen blos aus ein oder zwei Räumen, die zur Straße hin nur mit einem Gitter verschlossen sind. Dahinter Plastikgartenstüle in grellem Neonlicht. Dazu die drückende Schwüle und der Geruch von Holzrauch. Während unserer Fahr zog gerade ein Gewitter auf und der Himmel war von Blitzen hell erleuchtet. Beim Landeanflug auf Managua konnte man so kurz den Schatten des Managuanischen Hausvulkans sehen (namens Loma de Tiscapa, wenn wir uns nicht irren). Nach einer ca. Halbstündigen Fahrt und den Versuchen uns
miteinander auf Spanisch zu unterhalten (war nicht einfach, ging aber soweit ganz gut) sind wir bei der Icclesia Central angekommen, wo uns Mario ein Zimmer gezeigt hat, in dem wir jetzt die erste Nacht verbracht haben.In etwa einer Stunde treffen wir uns wieder in der Kirche und werden wohl dort vorgestellt. Danach bringt man uns hoffentlich zu unserem Haus, damit wir uns mal ein wenig niederlassen und die Koffer ausräumen können. Ich werd jetzt erst mal die kalte Dusche genießen, obwohl es bei diesem Wetter wohl nicht lange helfen wird.

Ich meld mich bald wieder,
euer Christoph