Salut ustedes!
Was haben Vanillekipferl und Costa Rica miteinander zu tun? Eigentlich gar nix, aber es klingt irgendwie interessant, nicht wahr? Aber warum schreib ich so einen Schwachsinn in den Betreff von meinem Newsletter? Nun, alles hat einen sinn, aber jetzt schön der Reihe nach:
Wie ich in meiner letzten Mail geschrieben hab, bin ich jetzt schon drei Monate lang weg. Glaubt man gar nicht, gell. Und weil die Nicaraguaner Angst haben, dass ihr Land von Ausländern überfremdet wird, weil die sich die übermässig vorhandenen, gut bezahlten Arbeitsplätze weg schnappen (oder irgendwie so) muss ich alle drei Monate aus Nicaragua raus, ein paar Tage in einem Land verbringen das nicht zum Zentralamerikanisch
Normalerweise 8-9 Stunden. Wir haben knapp 12 gebraucht, weil der Bus beim Rausfahren aus der Busstation in Managua nämlich dummerweise an einem anderen Auto hängengeblieben ist. Bei uns würde man sich dann mit dem Fahrer des anderen autos verständigen, feststellen wer der schuldige ist (ist in dem Fall ja jetzt nicht so schwierig) und nach einer halben Stunde kann man seine Reise fortsetzen.
Nicht so in Nicaragua. Da darf man sein Auto nicht bewegen, bis die Polizei da ist. Naja, sollte man meinen, in der Hauptstadt fährt ein haufen Polizei rum, da sollte man doch einen in der Nähe anfunken können und der ist dann in 10 Minuten da. Nicht so in Nicaragua: Da es grade Mittag war, hat entweder der Busfahrer keine Lust gehabt bei der Polizei anzurufen oder dort hat keiner Lust gehabt zu kommen oder beides ;-) Jedenfalls ist nach geschlagenen zwei Stunden eine Motorradstreife vorbeigekommen und hat ein hübsches Bild gemalt von einem Bus und einem Auto. Eine weitere halbe stunde später sind wir dann aufgebrochen und wahren nachts um 12 in San José.
Dort fahren wir mit dem Taxi zu einer Familie bei der Annie vor 2 Jahren gewohnt hat, als sie ein Semester in Costa Rica studierte. Die Fahrt durch San José ist wirklich interessant. Man fährt durch Straßenschluchten mit Leuchtreklamen und Ampeln. Ich komme mir stellenweise vor als würde ich durch München fahren. Mir wird wieder bewusst wie krass Managua eigentlich ist. Mit der Zeit hab ich mich an die dortigen Verhältnisse gewöhnt und empfinde es nicht mehr als befremdlich mit 200 anderen Menschen in einem Bus durch eine Stadt ohne Zentrum zu fahren in der es nicht mehr als 20 Gebäude mit mehr als einem Stockwerk gibt. Aber hier sieht man zum ersten mal seit 3 Monaten was man eigentlich hinter sich gelassen hat.
Nach gut 20 Minuten kommen wir bei der Gastfamilie an. Sie wohnen in einem gehobenen Wohnviertel, die Häuser sind meist zweistöckig, mit Garage. Davor sind gepflegte Gärtchen, alles ist frisch gestrichen. Kurz: So stelle ich mir ein Wohnviertel in einer amerikanischen Kleinstadt vor.
Im inneren des Hauses bestätigt sich der erste Eindruck. Bei Vilma und Lionel werden wir wilkommen geheißen und beziehen unser quartier, das sichherlich der Stolz einer jeden amerikanischen Hausfrau wäre. Wir packen noch unsere Zahnbürsten aus und legen uns ins Bett.
Am nächsten Tag frühstücken wir in der Küche in der der größte Kühlschrank steht den ich bisher gesehen hab. So ein amerikanisches Teil mit zwei Türen, links Eisfach und rechts Kühlschrank. Eiswürfelspender integriert! Ich bin richtig fasziniert und probier das erst mal aus ;-) Das Frühstück wird übrigens wieder von einer Nicaraguanerin zubereitet, die hier arbeitet und dann ihr Geld nach Nicaragua schickt. Trotzdem gibts hier mal keine Bohnen und keinen Reis zum Frühstück, eine wilkommene Abwechslung. Nach dem Essen trink ich noch ein Fresco (=selbstgemachtes Fruchtsaftgeträ
Danach begeb ich mich jedoch wieder aufs Zimmer, betrachte eine Weile die Aussicht über den bürgerlichen Stolz des Viertels, nehm mir ein Buch und lese den ganzen Tag. Diese herrliche Ruhe hier, keine Busse die ohne Auspuff der ganzen Welt ihre Präsenz mitteilen, keine Klempner, Schuster, Nacatamal-, Tortilla-, Bananen-, Tomaten-, Leche Agria-, Orangen- oder was weiss ich was Verkäufer die ihre Dienste lautstark bekanntgeben. In der einen Woche die ich frei habe lese ich ganze 1000 Seiten. Das war mal wieder nötig.
Ein weiterer Höhepunkt unseres Costa Rica aufenthaltes ist ein Besuch in einem Supermarkt. Klingt erstmal befremdlich, ist es aber nicht. Auch wenn es in Nicaragua mittlerweile ganz gut sortierte Supermärkte gibt, kann man sie mit dem was es in Costa Rica gibt nicht vergleichen. Vor allem Käse und Wurst. Das gibt es zwar in Nicaragua auch, allerdings mit einem Geschmack den ich nicht wirklich vermisse zu einem Preis den ich dafür nicht zu zahlen bereit bin. Diese Sachen sind zwar in dem Supermarkt hier auch nicht billiger, aber schmecken wenigstens. Und ab und zu darf man sich so was leisten. Die größte Überraschung ist aber, dass es hier Paulaner gibt! Richtiges Bier! Was für ein Fest! Naja, nach zwei 0,33l Flaschen ist schluss, bei 4 Dollar die Flasche muss mans ja nicht übertreiben. Aber gut geschmeckt hats schon ;-)
Nach drei Tagen in Costa Rica wollten wir Vilma und Lionel nicht weiter auf die Nerven gehen (obwohls wirklich schön dort war. Duschen mit WARMEN Wasser!) und machen uns wieder auf den Rückweg. Kurzfristig ändert sich unser Plan allerdings wieder, weil auf einmal Annies "Costa Rica Opa" in der Tür steht und uns auf einen Ausflug in die Berge einlädt. Wir sind ja spontan und jung und fahren mit ihm 2 Stunden über Passstraßen durch die Natur Costa Ricas. Dabei wird es erstaunlich frisch, einen Pulli hätte ich gut gebrauchen können, aber die existenz dieses praktischen Kleidungsstückes hab ich in den letzten drei Monaten schon fast vergessen. In unserem Ziel-Tal angekommen genießen wir in einem Hotel (mit dessen Chef der Opa befreundet ist) ein paar Cappuchino und setzen uns danach in einen Busch. Nach ein paar Minuten sind wir von Kolibris umgeben. Wirklich faszinierende Tierchen!
Am nächsten Tag brechen wir dann aber wirklich auf zurück nach Nicaragua, Jakob fährt gleich bis Managua, Annie und Ich lassen uns noch für zwei tage in San Juan del Sur, einer Hafenstadt am Pazifik nieder. Dort gibt es noch ein bisschen mehr müssiggang und relaxen in der Sonne. Ausserdem kann ich dort endlich mal wieder Fisch essen. In Managua gibts sowas nämlich kaum. Ich ernähre mich zwei Tage fast ausschließlich von Fisch (Salatbeilage mit einberechnet)
Nach einer weiteren Odysse (genaueres spar ich euch jetzt mal) kommen wir auch wieder in Managua an und genießen dort noch einen freien Samstag, an dem ich meinen mittlerweile schon ganz ordentlichen Garten wieder ein bisschen erweiter. Jetzt sprießen dort neben zahlreichen Gewürzen Salat, Karotten, Radiesschen, Gurken, Wassermelonen und demnächst auch Auberginen. Ich hoff das Zeug wächst schnell genug, dass ich auch noch was ernten kann ;-)
Am Sonntag Nachmittag beginnt meine Arbeit wieder: Ich mach mich auf nach Los Trejos und probe zum ersten mal unser Weihnachsstück (Krippenspiel, wie man so schön sagt, was mir aber hier mangels vorhandenseins von Futterkrippen abwegig erscheint) Am Anfang sind alle etwas skeptisch über meinen "Skrupellosen" umgang mit der Weihnachtsgeschicht
Ach ja Weihnachten: Obwohl es hier in den Supermärkten und in einigen Privathäuseren auch Lichterketten, Nikoläuse und sonstigen Weihnachtskram gibt (Man kann z.B. Wenn man an der Ampel steht aus dem Auto raus Strohrehntiere kaufen, toll was?) bin ich noch nicht so richtig in Weihnachtsstimmung. Vielleicht liegt es an der Temperatur und daran, dass es bisher noch nicht ein mal geschneit hat. Um das zu ändern, hab ich mich aufgemacht und nach Stunden der Suche alle Zutaten für Vanillekipferl aufgetrieben. Heute war also großer Backtag und ich hab ungefähr 400 Vanillekipferl gemacht, schließlich muss ich einer ganzen Menge Leuten hier dieses Meisterwerk der bayerisch-österreich
In diesem Sinne:
Eine schöne Adventszeit euch Allen und lasst mal hören wies euch so geht.
Liebe Grüße,
euer Christoph
Samstag, 8. Dezember 2007
Costa Rica und Vanillekipferl
Donnerstag, 22. November 2007
Ha, ich leb noch!
Salud Ustedes!
So, nach langer langer Wartezeit meld ich mich mal wieder. Auch wenn ihr es nach meiner letzten Mal vielleicht erwartet hab, bin ich noch immer im Land, nicht ausgereist und meine Arbeit geht voran! Ja, kaum zu Glauben, es gibt progreso!
Aber jetzt von vorne: Also am Tag nach meiner letzten Mail hab ich mein Vorhaben wahr gemacht und bin zu meiner Chefin marschiert. Es war wirklich zeit. Erst wollte sie mir erklären, dass es meine Schuld ist, weil ich quasi nie in der Kirche bin (nur von 9 uhr in der Früh bis abends um 5, 6 Tage die Woche), sondern immer mit dem Loch in Haus beschäftigt bin (wann habe ich geschlieben, dass das Loch fertig ist? Vor eineinhalb monaten? Ich hab mir dafür genau einen Tag frei genommen) Dann hab ich ihr erst mal erzählt, was das Problem ist, was am Montag passiert war und warum ich heimgegangen bin. Am Anfang wars etwas schwierig, aber mit der Zeit hat sie dann eingelenkt und wir haben uns zusammengesetz und einen ordentlichen Plan gemacht. Danach hab ich meine letzte Autorisation bekommen (wenn mein Foto wieder da ist, schick ich sie euch mal, ich hab sie aufgehoben) und angefangen den Computer zu reparieren. Meine erste richtige Arbeit! Großartig, ich bin 3 Monate hier und schon gehts los! Naja, aber hier mahlen die Mühlen einfach anders. Das stellt man sich zwar schon so vor, aber wenn man mitten drin steckt ist es noch mal was ganz anderes. Ich glaube das muss man erlebt haben. Letzten Freitag war ich dann auch zum ersten mal in meiner Communidad (in die ich vorher gerne gefahren wäre, aber nicht durfte, weil sie soooooo gefährlich ist). Dort wurde mir bislang der wärmste Empfang bereitet. Zwei Niños die mich schon aus den Cultos (=Gottesdienst) kennen, haben mich gleich gepackt und mir ihre Hütten gezeigt. Los Trejos ist eines der ärmsten Viertel in Managua. Die Straßen bestehen aus Sand und Dreck, die Häuser aus Wellblech, Busbodenplatten, Palmblättern, Plastikfolien und was man sonst noch findet. Seit 2 Jahren gibt es wenigstens Strom, allerdings nur für 5 Stunden am Tag, was besonders nachts ein Problem ist (es gibt dann nämlich kein Licht in den "Straßen"). Trotzdem sind die Leute dort weitaus offener als die anderen die mir bisher begegnet sind.Nachdem die beiden mir die nähere Umgebung gezeigt haben (und alle Pflanzen dies hier so gibt ;-) haben sie mich wieder zurück zum Haus von Doña Sonja, dessen "Wohnzimmer" als Gemeindezentrum, Kirche und Büro dient. Ich wurde erst mal ordentlich willkommen geheißen, von allen Familienmitgliedern geknuddelt und den übrigen vorgestellt. Danach war mal wieder ein Gottesdienst in dem ich öffentlich eingeführt wurde. Am Sonntag sollte dann meine erste Reunion mit den Jovenes dort sein. Ich bin gleich nach dem Gottesdienst um halb 12 hingefahren, wurde zum Mittagessen eingeladen, hab mit den Niños gespielt und mal geschaut was sie alles können, ich hab nämlich vor ihnen jedes mal ein paar Hausaufgaben zu geben und ihnen Unterricht zu geben. Teilweise sind sie ziemlich fit, aber es sind eben auch welche dabei, die mit 4 Jahren kaum einen Stift halten können. Danach war dann also die Reunión (mit den Jovenes (=junge Erwachsene) zwischen 4 und 34 Jahren). Es waren ungefähr 7 Leute da, das find ich fürs erste mal gar nicht schlecht. Mal sehen wie viele es werden. Wir haben uns mal ein bisschen kennen gelernt und ich hab ein bisschen gefragt, was sie denn mit meinem Vorgänger gemacht haben. Ausserdem haben wir unser erstes Projekt besprochen: Ein Krippenspiel, was auch sonst. Allerdings wirds kein traditionelles: Maria-und-Josef-verliefen-sich-im-Wald-Krippenspiel. Es ist noch nicht ganz fertig (es ist gar nicht so einfach ein Stück auf Spanisch zu schreiben, wenn es sich nicht so anhören soll als hätte es ein siebenjähriger gemacht), aber bisher ist es ganz gut. Josef ist ein Macho der seine Frau das ganze Gepäck tragen lässt, Maria eine Feministin die eine Herberge ablehnt in der sie keine Einzelzimmer haben und den beiden wird ihre wohlverdiente Ruhe in der Scheune verwehrt, weil alle 10 Minuten irgendwelche Verrückte ankommen die ihnen eine frohe Botschaft bringen wollen. Das ist kurz skizziert die Geschichte. Mal sehen wie sie ankommt, ich hab schon mal ein bisschen vorgefühlt und bin gespannt ;-) Abends hat Annie, unsere amerikanische Mitbewohnerin, uns ein bisschen Landeskundeunterricht gegeben: Heute (Donnerstag) ist in den Staaten nämlich ein besonderes Fest: Thanksgiving, das etwa unserem Erntedankfest entspricht aber irgendwie viel wichtiger ist. Also hat sie das ganze Wochenende gekocht und vorbereitet und am Abend hatten wir eine wunderbare Fressorgie. Reis- und Bohnenfrei! Truthahn haben wir aus Platzgründen (im Ofen) mit Huhn ersetzt, aber es war gut. Es war noch ein bisschen was übrig, also haben wir auch noch unsere Nachbarn eingeladen und uns mit ihnen bekannt gemacht. Auf der einen Seite ist eine Studentenwg mit sieben leuten, auf der anderen Seite eine Familie mit ungefähr 97 Hunden ;-) An meinem "Freien Tag" haben wir unser Haus wieder ein Stück weiter auf Vordermann gebracht: Unser Kühlschrank ist nicht so gut isoliert, ausserdem ist die Versorgung mit Strom nicht immer so gut und so kommt es manchmal dazu, dass das Eis das< sich bei der Luftfeuchtigkeit in einem 20 Jahre alten Kühlschrank unweigerlich ansammelt schmilzt und kleine Seen in der Küche bildet. Also haben wir ein Loch in die Wand und ein Loch durch den Kühlschrank gebohrt und 6m Rohr zum Abfluss gelegt. Jetzt läuft das ekelschmelzwasser direkt dort hinein, wunderbar. Ausserdem haben wir einen Wassertankt auf einer erhöhten Konstruktion im Hof, denn fürs Wasser gilt dasselbe wie für den Strom. Gefüllt wird dieser Tank mit einem Automatischen Hahn, etwa so wie ein Toilettenspülkasten. Allerdings ist dieser griffo (=Wasserhahn) kaputt und schließt nicht richtig, so tropft es immer aus dem Tank und tropft und tropft und tropft.Dann haben wir den Baum vor dem Haus gestutzt, den Baum hinter dem Haus gestutzt und unseren ehemals tristen dunklen Hof in eine Lagune des Lichts und der Entspannung verwandelt. Ausserdem hab ich 10 Löcher gebohrt und Haken reingeschraubt (ihr glaubt nicht was es für eine Reise ist Haken zu kaufen) an denen wir jetzt unsere Hängematten aufhängen können. Ausserdem besitzt unser Haus jetzt eine Hausnummer und damit eine Adresse:
La casa con la palma de cocos
H-518
De la Farmácia "La Vida" 5 cuadras al sur, 1 arriba
Colonia Centro America
Managua
Nicaragua
Wenn ihr wollt, könnt ihr mir jetzt was schicken, allerdings gut und regenfest verpackt, briefe werden hier nämlich über den Zaun geschmissen. Wie man einen Briefkasten benutzt ist nicht bekannt.Am Donnerstag konnte ich endlich die Arbeit mit dem Computer beenden (Einen Treiber zu installieren geht nämlich so: Man schaut sich das Mainboard an, was man braucht, geht über die Straße ins Büro nummer 1, wartet 20 Minuten bis der Computer frei ist und lädt sich den Treiber runter. Leider hat die Kiste die ich repariere keinen USB-Anschluss, auf eine Diskette passt der treiber nicht, also bleibt nur eine CD. Man kauft sich also eine leere CD, stellt fest, dass der CD-Brenner nicht geht (weil der PC des "Systembetreuers" so mit Viren verseucht ist, dass gar nichts mehr geht), kopiert den Treiber auf seinen USB-Stick und geht ins Büro nummer zwei.Dort verbringt man wieder 20 Minuten mit warten, 20 Minuten damit seinen USB-Stick virenfrei zu bekommen und brennt dann seine CD. Danach sind 2 Stunden rum und man kann schon seinen Treiber installieren.Man könnte natürlich auch einne Netzwerkkarte in den PC schieben, sich an den 2m entfernten Router anstöpseln und den Treiber direkt auf den PC laden, aber dazu fehlt einem leider die Autorisacion. Es gibt also noch arbeit um die ich mich kümmern werde, aber jetzt gibts erst mal ein paar Tage frei. Ich bin nämlich schon drei Monate hier und das bedeutet, dass mein Visum ausläuft. Deswegen muss ich für 3 Tage das Land verlassen. Morgen gehts also auf nach Costa Rica, nach San Jose, wo Annie letztes Jahr studiert hat und eine Gastfamilie hat. Dort werden wir ein paar Tage entspannen und danach "auf dem Rückweg" ein paar Tage am Pazifikstrand verbringen. Ich wünsch euch eine schöne Vorweihnachtszeit und genießt den Schnee!
Euer Christoph
Dienstag, 13. November 2007
Christoph macht Rabatz in Nicaragua
Salud Ustedes!
So, es ist mal wieder Zeit für einen Newsletter. Ich hab ja schon länger nichts mehr von mir hören lassen. Das liegt zum Teil daran, dass letzte Woche die "Gran Obra de Teatro" war, einhergehend mit "Concasida", einem großen Aids-Kongress, bei dem sich mehr oder weniger alle lateinamerikanischen Organsimen die mit der Thematik arbeiten treffen. Klingt doch eigentlich ganz gut oder? Ist es aber nicht wirklich.
Die "Gran Obra de Teatro" (Angekündigt auf A2 großen, 4farbig bedruckten Plakaten, bei uns unvorstellbar. Das Geld spart man lieber und schickt es nach Nicaragua), das Theaterstück für das ich die Requisiten gebastelt hab (nach ewigem Gebettel um ein Gefährt um die Materialien zu transportieren) ist genauso gelaufen wie in dieser Kirche alles läuft: überstürzt, ohne Plan chaotisch und hat am Ende doch noch irgendwie hingehaut. Es lief ungefähr so: Wir waren grade beim Proben (das Stück
wurde vor der Aufführung nicht ein mal im Durchlauf gespielt, immer nur Szenenweise, nie mit Kostümen (obwohl die fertig waren, hab ja auch ich gemacht); da kommt von irgendwoher die Order, dass wir jetzt auf den Kongress fahren müssen (innerhalb Managuas, ca 15 Minuten). Und wenn ihr eine Order kommt, dann wird das gemacht. Also Packen wir unseren ganzen Scheiß (ist jetzt nicht Pejorativ, ein aus Holzlatten, Karton und meinen alten Vorhängen plastisch modellierter Haufen Scheiße spielt eine
wichtige Rolle in den Bus und fahren dorthin. Angekommen können wir nicht zur Bühne, noch nicht einmal in die Nähe, weil wir erst um 4 Uhr dran sind. Ich frage mich, was wir dann um halb 12 hier machen, wenn wir doch hätten Proben können. Gut. Wir laden unser Zeug in einem Garten einen Kilometer entfernt aus, jeder versorgt sich mit Essen, jeder ist irgendwo und mit Proben ist nix mehr. Ich fahre mit Miguel (dem "Regisseur") noch mal auf den Markt, weil wir noch ein paar Sachen brauchen ("Ach, wir brauchen ja einen Vorhang"), zwei Stunden vor der Aufführung. Irgendwann ist es dann 4 Uhr, wir beginnen mit dem Schminken, um halb 5 kommt der Veranstalter und sagt uns, dass wir nicht mehr auftreten brauchen, wenn wir nicht sofort anfangen. Das Theaterstück hat eigentlich ganz gut geklappt, man hat nicht viel verstanden, aber keiner hat seinen Text vergessen, die Dialoge haben geklappt usw. Zweifelhaft ist nur der Sinn der Botschaft. Etwa: Wir dürfen vor Aidsinfizierten keine Angst haben und sie nicht ausgrenzen, genauso wie Homosexuelle, weil Gott uns alle liebt. Das ist
leider das Bild, das die Kirche von sich verkaufen will. Hinter den Kulissen sieht es anders aus, über Homosexualität wird nicht geredet, "weil wir dieses Problem in der Kirche ja schließlich nicht haben", die Arbeit mit Aids besteht hauptsächlich aus dem Besuchen von Seminaren die ein Heidengeld kosten (man braucht hier immer T-Shirts, Taschen, Kugelschreiber und Ausweiskarten mit dem farbigen Logo). Prävention wird so gut wie nicht betrieben und wenn dann viel zu spät. In den Städten findet der erste Geschlechtsverkehr meistens mit 14-15 statt, in den Kommunidades sind Schwangere mit 13 Jahren keine Seltenheit. Da hilft es wenig 18 jährigen zu zeigen wie man ein Kondom benutzt.
Das ist die eine Sache, die mich ziemlich auf die Palme bringt, die andere ist meine "normale" "Arbeit". Da tut sich immer noch wenig. Ich sitze meine Zeit tot, worauf ich eigentlich keeine Lust habe. Bisher hab ich immer geglaubt, dass es daran liegt, dass meine Chefin mit dem Kongress viel beschäftigt war und deswegen keine Zeit hatte, aber ich glaub eher, dass es ein strukturelles Problem ist.
Das Fass zum überlaufen brachte der gestrige Montag: Alles großen Festivitäten und Kongresse waren vorbei, ich hoffe endlich loslegen zu können und gehe voller Tatendrang in die Kirche und hoffe endlich loslegen zu können. Ich geh in Katias Büro um mit ihr ein bisschen zu planen, was diese Woche ansteht, sag ihr, dass ich heute gerne die Sache mit den Computern machen würde (ja, ihr erinnert euch vielleicht noch: Seit 4 Wochen renn ich Autorisacionen, Permissionen, Edictos, Peditos und was weiß ich nicht alles nach und hab schließlich und endlich im direkten Gespräch mit der Bischöfin meine Autorisation erhalten) damit ich das endlich mal erledigt habe. Sie sagt: Gut, ausserdem steht diese Woche das aufräumen des Büros der Jugend an, allerdings nicht heute, weil noch nichts organsiert ist usw. Gut, sag ich, dann kann ich ja gleich anfangen, dann bin ich fertig und stehe den Rest der Woche zur freien Verfügung.
So verbleiben wir also und Katia fährt irgendwohin um irgendwas zu erledigen. Ich mach mich also auf ins Büro von Mario, wo die Computer momentan stehen, weil wir sie aus der Kirche wegräumen mussten, weil dort das Theater nochmals aufgeführt wurde. Mehr rhetorisch als wirklich fragen frag ich ihn, ob er mir die Computer geben kann, weil er grade näher dran steht. Er meint nein, das gehe nicht. Ich frag, warum nicht,
er: Es geht jetzt nicht. Also geh ich in das Zimmer, denk mir, wenn er mir sie nicht über den Haufen der Nahrungsmittelsäcke drüberreichen kann der hier seit einer Woche rumliegt (die Nahrungsmittel konnten nämlich nicht verteilt werden, weil man eine Liste vergessen hat, wer die alles bekommen darf. Gut, essen die Leute halt eine Woche später, oder zwei), hol ich sie mir halt selber. Dann schnauzt er mich ziemlich an, ob ich denn nicht verstanden hab, dass es nicht geht und ich in einer Stunde
wieder kommen soll. Ich frag ihn noch, was dagegen spricht es jetzt gleich zu erledigen, aber bekomme als Antwort nur zu hören, dass ich in einer Stunde wieder kommen soll. Gut, dann wart ich halt noch eine Stunde, bei 4 Wochen kommts jetzt
wirklich nicht mehr drauf an, klage Annie (der Amerikanerin) mein Leid und schlag eben eine Stunde tot. Danach geh ich wieder ins Büro, will die beiden kaputten PCs mitnehmen um endlich einen laufenden draus zu machen und bekomme wieder die barsche Antwort, dass ich in einer Stunde´wieder kommen soll. Ich als friedliebender Mensch will ihm die beiden PCs nicht rauben, Katia ist nicht da, die Obispa ist nicht da und sonst hat hier eh niemand Befugnisse (auch Mario nicht der grade meine Arbeit behindert) also bleibt mir nichts anderes übrig als noch eine Stunde tot zu schlagen. Das selbe wiederholt sich so noch einmal vor dem Mittagessen (ich soll nach dem Essen wieder kommen).
Nach dem Mittagessen trete ich also wieder an (im nachhinein frag ich mich, warum ich den Schmarrn eigentlich so lange mit gemacht habe) und frage was jetzt los ist. Da steht der gute Mario auf, legt seine Hand auf meine Schulter und erklärt mir: Christoph, hier in Nicaragua arbeiten wir nicht mit mündlichen Autorisationen, wir brauchen hier schon eine schriftliche Autorisation, sonst geht hier gar nichts.
Ausserdem sind die Jugendlichen grade dabei ihren Raum, den sie seit Jahren als Müllhalde nutzen aufzuräumen und dort werde ich grade dringend benötigt. Gut, ich wahr schon ziemlich auf 180, aber in meiner grenzenlosen ausgeglichenheit geselle ich mich zu den Jugendlichen die in einem Raum voll mit Müll und Kartons voll Hilfsgütern (Fußbälle,Spielsachen, Baseballschläger, Kuscheltiere, Blocks, Stiften und anderen
Sachen die eigentlich nicht dazu gedacht sind hier zu verstauben) stehen und die Sachen so wie sie sind auf den Hof werfen. Es wird nichts irgendwie sortiert oder das was weggeworfen werden soll wenigstens irgendwie so verstaut, dass man es nimmt und wegwirft, sondern es landet so wie es in der Rumpelkammer liegt auf dem Hof. Wahrscheinlich kommt heute abend jemand vorbei und sagt: Ah, hier draussen könnte es nass werden wenn es regnet, bitte schmeißt es zurück in die Rumpelkammer. Den Spaß schau ich mir zehn Minuten lang an, dann halte ich es nicht mehr aus und gehe zurück in Marios Büro. Ich sag ihm, dass er mir jetzt entweder die beiden PCs rausrückt und ich sofort mit meiner Arbeit anfangen kann oder ich gehe heim in mein Haus und werde dort meine Wäsche waschen und die Sachen erledigen die dort auf mich warten. Ich
bin nämlich nicht nach Nicaragua gekommen um Müllhalden aufzuräumen. Das Problem liegt nicht darin, dass ich mir die Hände nicht schmutzig machen will, sondern darin, dass ich mit "aufräumen" hätte können, wenn ich vorher meine Arbeit erledigt hätte. Zur Antwort bekomme ich ein Winken und ein "Adios". Ich erkläre Miguel noch schnell, warum ich heimgehe und mach mich aus dem Staub. So wütend war ich wirklich schon lange nicht mehr.
Heute hatte ich glücklicherweise meinen freien Tag, bin nach Granada zu meiner Gastfamilie gefahren, hab mit ihnen ein bisschen geplaudert und Dampf abgelassen. Es tut gut mal aus Managua rauszukommen. In Granada gibt es eine Einrichtung die sich "Casa de los tres Mundos" nennt, eine von Ernesto Cardenal und Dietmar Schönherr ins leben gerufene Kulturstiftung in der Nicas Instrumente erlernen, sich als Künstler
weiterbilden oder Theaterespielen können. Das ganze wird u.a. unterstützt von ein paar deutschen freiwilligen, die hier Gitarrenuntericht und Englischkurse geben. Beim Spazieren durch den Kolonialbau der ganz in Künstlerhand ist ist mir auch eine Theaterbühne aufgefallen, mit 10 Scheinwerferchen. Es hat richtig weh getan zu sehen,
wass man hier alles machen könnte, Dimmer basteln, Lampen organisieren, Theater auf die Beine stellen usw. Und das alles mit fähigen Leuten im Rücken, einer Werkstatt, Künstlern die Bühnenbilder zaubern könnten und nicht in einer dämlichen Kirche wo man allem hinterherrennen muss und in der es nicht mal einen Hammer gibt (Ich hab gefragt warum eigentlich niemand mal her geht und einen Hammer und ein paar Schraubenzieher
kauft. Antwort: Es ist ja nicht mein Aufgabenbereich.)
Morgen werde ich diese Ganzen Sachen mal mit meiner Chefin bereden und hoffen, dass sich endlich was ändert. So kann und will ich nämlich hier nicht weiter machen, nicht weil ich es nicht aushalte oder nicht die Nerven dazu habe, sondern weil mir dazu meine Zeit einfach zu schade ist. Ich habe mich drauf eingestellt, dass ich keine großes entgegenkommen zu erwarten habe, ich habe hingenommen, dass mir nicht geholfen wird, aber ich werde nicht hinnehmen, dass mir zudem noch Steine in den Weg gelegt werden. In diesem Land gibt es genug zu tun. Wenn man hier meine Hilfe nicht haben will, werd ich mir was anderes suchen, sonst ist es nämlich eine Zeit- und auch Geldverschwendung. Ich hoffe dass es nicht so weit kommt und bin auf das Gespräch morgen gespannt. Es wird nicht ganz einfach sein, da ich erstens die Ruhe bewahren und zweitens auf spanisch reden muss, aber ich hab mir schon ein paar Sachen zurechtgelegt und werde das Ganze diplomatisch mit Mt 25, 14-30 einleiten.
So, jetzt seid ihr alle geschockt, dass ich zum Bibelzitienden Hardcorechristen geworden bin (keine Angst, bin noch wie vorher), aber schaut mal nach, was dort geschrieben steht (wer keine Bibel hat, kann auch google fragen ;-)
Wünscht mir glück!
Euer Christoph
Montag, 29. Oktober 2007
24 Stunden auf einer Latina
Salud ustedes!
Nach langer Zeit meld ich mich mal wieder, ich hoff ihr habt mich ordentlich vermisst ;-) Aber meine virtuelle Abwesenheit hat auch einen guten Grund: Die Spontanität der Nicaraguaner. Letzten Samstag Nachmittag saßen Jakob, mein "Kollege" und ich seelenruhig in unserem Innenhof (das immer noch von einem Loch geschmückt ist) und hatten und hatten uns eigentlich auf einen schönen, ruhigen Nachmittag gefreut.
Um 3 Uhr nachmittags klingelt allerdings das Telefon und reißt uns aus den süßen träumen: Es ist Melba, Jakobs Chefin die ihm sagt, dass ihre Chefin (die Bischöfin) ihr gesagt hat, dass sie mit einer Ärztedelegation aus den Vereinigten Staaten an die Küste fahren soll und möchte das Jakob mitkommt. Allerdings glaube sie nicht, dass dies sinnvoll sei und schlägt deshalb vor so zu tun als hätte sie ihn nicht erwischt. Ihr Bus würde gleich abfahren und dann könnte Jakob hier bleiben.
Von dieser Abmachung wusste allerdings niemand in der Kirche und so haben alle versucht uns zu erreichen. Irgendwann haben sies dann geschafft und Jakob wurde also zur Kirche zitiert. Allerdings war er ein bisschen krank und hatte deswegen keine große Lust. Aber es hilft nichts, er soll mitfahren, schließlich will es die Bischöfin so.
Meine letzten Wochen waren ja nicht so richtig spannend, ich hab eigentlich jeden Tag damit verbracht drauf zu warten ob irgendein Pickup funktioniert. Also hab ich einfach gefragt, ob ich auch mit darf. 10 Minuten später waren wir schon im Taxi zur Kirche unterwegs, ich hab ausser Zahnbürste, T-Shirts, Unterhosen und Socken eigentlich nichts dabei gehabt. Normalerweise denkt man sich, dass man nur gut vorbereitet auf eine solche Reise geht (die Küste heißt nicht umsonst Miskito-Küste, Miskito wegen dem Volksstamm der da lebt, aber ich glaub die nennen sich so wegen den Moskitos). Ich hatte also kein Repellente, kein Moskitonetz oder sowas dabei.
In der Kirche angekommen haben wir uns erst mal zu den Amerikanern gesellt, ein bisschen mit ihnen geplaudert und auf den Bus gewartet (für den wir uns so geschikt haben). Eine halbe Stunde später sagt man uns, dass die "Coche" (im prinzip alles was vier Räder hat) da ist. Auf der Straße steht ein kleiner LKW mit offener Ladefläche. Dieses Gefährt soll uns also zur Küste bringen. Wir steigen also auf, mit uns noch Melba (Jakobs Chefin), und drei andere Jugendliche. Die Frauen und der Fahrer machen es sich im Führerhaus bequem, wir auf der Ladefläche (span: "latina" ;-) Wir fahren also los, erst mal durch ganz Managua (die Kirche ist am westlichen Ende), vorbei am Flughafen und dann weiter nach Osten. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt es zu regnen, glücklicherweise hat irgendjemand gelbe Plastikjacken und -hosen aufgeladen, unsere Rucksäcke verschwinden unter einer Folie. Wir fahren gute drei Stunden durch die Nacht auf der Panamerikana, werden überholt von LKWs die Benzin aus Managua an die Küste bringen, halten kurz an um zu essen (Gallo Pinto con Pollo) und fahren wieder weiter. Kurz vor Rio Blanco müssen wir runter von der geteerten Straße, weil die Brücke vom Hurrikan vor 6 Wochen weggerissen wurde und über eine andere, die jedoch nur über eine Piste zu erreichen ist. Die Brücke ist gerade so breit wie unser LKW, das Wasser tiefschhwarz, Bäume lassen ihre Wurzeln ins Wasser hängen und das einzige was man durch die Dunkelheit hört ist das Brummen des LKWs. Man kann sich wohl schwer vorstellen wie das ist, mitten im nirgendwo über so eine schmale Brücke zu fahren, die die Lebensader für alles was dahinter ist darstellt.
In Rio Blanko, der letzten Stadt für die nächsten 200 Kilometer. Es wird noch mal getankt, wir versorgen uns mit Wasser und brechen dann auf in die Wildnis. Hier beginnt das Nirgendwo. Die "Straße" ist einfach eine (meist) baumfreie Fläche die durch den Urwald geschlagen wurde, ein Schlagloch hinter dem anderen, 20 km/h sind schon waghalsig und nicht zu empfehlen, wenn man kein ersatzdifferential dabei hat (wie ein LKW, der 100 Km hinter Rio Blanko liegengeblieben ist). Wir fahren die ganze Nacht, unter von Orchideen bewachsenen Bäumen, über weitere schmale Brücken, alle paar Kilometer stehen 10 Hütten, die an die Straße gebaut sind. Immer wieder laufen Rinderherden über die Straße oder das eine oder andere Huhn. Allmählich wird es wieder hell, Nebel liegt über dem lichten Wald. Hier, wo viel Viehzucht betrieben wird stehen nur wenige Palmen in der Landschaft aber so kann man von der Ladefläche ein bisschen weiter schauen, es ist erstaunlich hügelig hier. In der früh um 6 Uhr kommen wir in einem Dorf namens "Mulukuku" (lautmalerisch, jedes U ein Schlagloch) an und frühstücken dort (Gallo Pinto con Queso). Nach einer Stunde geht es wieder weiter. Gegen Mittag passieren wir Rosita, ein Nest, das als Kulisse für einen Wildwestfilm dienen könnte. Überall trockener, sandiger Boden, zweigeschossige Holzhäuser mit einer Veranda, sträunende Hunde und an Zaunpfählen festgebundene Pferde. Vorbei an den Minen und einem unnatürlich türkisen See fahren wir weiter richtung Puerto Cabezas. Es sind "nur" noch 200 Kilometer bis zur Küste (ca. 12 Stunden). Langsam bemerkt man, was der Hurrikan Felix hier vor 6 Wochen angerichtet hat. Eigentlich war hier dichter Wald, aber jetzt sieht es aus als währe ein Wahnsinniger mit einem riesigen Rasenmäher hier rumgefahren und hätte alles in 4 Metern höhe umgeknickt. Die meisten Hütten sind schon wieder zusammengenagelt, aber vereinzelt liegen auch noch Bretterhaufen rum auf denen ein Palmenblattdach thront. Einfach umgeweht. Manche Dörfer die es besonders schwer erwischt hat bestehen nur noch aus über Baumstämme geworfenen Plastikplanen.
Nach weiteren Stunden durch Wälder (irgendwann stehen keine Palmen komischerweise Kiefern !?) kommen wir nach 25 Stunden in Puerto Cabezas (Bilwi) an. Dort arbeiten zwei Freiwillige aus Baden, die ein paar Tage bei uns in Managua gewohnt haben. Sie holen uns ab und bringen uns in ihr Haus. Seit drei Tagen haben sie dort wieder Strom, zumindest gelegentlich. Fließendes Wasser gibt es seit ein paar Jahren nicht mehr, weil die Kanalisation kaputt und kein Geld da war um sie zu reparieren. Also sammeln die beiden fleißig Regenwasser, zum Duschen, zähneputzen und abspülen. 100 meter weiter gibt es glücklicherweise eine Wasseraufbereitungs
Eine Stunde später treffen wir uns wieder, es gibt einen Gottesdienst für die Amerikaner auf kreolisch. Allerdings ist mir diese Iglesia Morava (die Kirche hier in Puerto, nicht die wo ich normalerweise arbeite) etwas suspekt. Der Inhalt der Predigt lautet etwa wie folgt: "Kümmere dich nicht darum ob auf deinem Lebensweg ein Stein liegt und verschwende keine Energie drauf ihn dort weg zu bekommen, sondern glaub einfach fest an Gott, der wird sich dann schon drum kümmern" Ich frage mich in welchem Maß die Iglesia Morava für die 90% Arbeitslosigkeit hier verantwortlich ist.
Nach dem Gottesdienst gehen wir erst mal schlafen. Nach 25 Stunden Rüttelkur ist ein Bett einfach eine Wohltat. Das nächste Mal komm ich mit dem Flugzeug ;-) (einen Flughafen gibt es). Am nächsten Tag in der Früh um 8 wollen wir uns mit Melba und den anderen Treffen, packen gerade unsere Taschen mit Wasser voll, da klingelt mein Handy: Wir sollen alles mitnehmen, wir fahren zurück! Na wunderbar, wir packen also alles wieder ein und gehen zum Treffpunkt. Melba ist ziemlich sauer, weil es für sie irgendwie keine Arbeit gibt. Mit der Delegation können sie auch irgendwie nicht mit aber in Managua hat sie viel zu tun, deswegen wird sie sofort zurückfahren. Glücklicherweise weiß ich, dass Moritz (einer der freiwilligen) hier ein Internetcafe ausstatten soll, aber sich nicht so gut auskennt, also sag ich, dass ich schon arbeit hätte. Jakob erfindet auch irgendwas. Dann hören wir uns ein bisschen an, dass wir nicht aus touristischen Gründen hier sind, aber dann sieht sie doch ein, dass es für uns schon noch mal eine andere Sache ist mal hier zu sein als für Sie. Ausserdem fährt Arnoldo mit dem LKW erst am Donnerstag zurück und wir können mit ihm heimfahren. Aber das ist typisch hier, es wird einfach nichts organisiert und dann kommt so was dabei raus.
Wenigstens haben wir ein paar - mehr oder weniger freie - Tage an der Karibikküste. Mit Swantje (der anderen freiwilligen) erkunden wir erst Puerto und wagen uns dann an den Strand. Gut, es ist kein weißer Sand, das Wasser nicht Klar bis auf den Grund, aber: Es ist die Karibik!
Wir planschen ein Stündchen im wunderebar warmen Wasser (fast schon zu warm), schauen den Fischkuttern zu, die am nahen Landesteg anlegen und gehen dann zurück in unser Häuschen. Den nächsten Tag verbringen wir damit eine Regenrinne zu basteln, weil das Regenwasser nie reicht und bekommen Besuch von einer Friseurin, die uns zum Haareschneiden einläd. Am nächsten Tag werden wir also alle geschoren (ich weiß warum ich nicht gern zum Friseur geh: Sie: So? *Schnipp* Ich: Nein, das ist zu kurz. Aber was soll man machen, es wächst ja schließlich nach. Nach dem Haareschneiden lädt sie uns auch noch zum essen ein (Gallo Pinto Con Pollo) und fragt uns dann, ob wir nicht lust hätten sie zu heiraten, weil sie nach Deutschland will. Jetzt befinden wir uns in einer reichlich komischen situation. Allerdings haben wir sie schon vorher morgen zum Abendessen eingeladen.
Am nächsten Tag kommt sie auch, bringt noch ihre Nichte und eine Freundin mit. Wir haben Fleischpflanzl gemacht, es schmeckt ihnen. Danach gehen wir noch in ein paar Clubs. Ich muss sagen, die Leute hier können einfach besser tanzen. Man sollte das bei uns einfach sein lassen, wir können dafür andere Sachen gut ;-) Aber sie können auch nur tanzen solange Reggaeton oder Salsa oder sowas kommt. Zu unserer großen Ehre hat nämlich Chuck Berry ein Stelldichein. Danach sieht es genaus bescheuert aus wie bei uns immer.
Am nächsten Tag in der Früh beginnen wir wieder unser Heimreise. Als wir aus Puerto draußen sind fragt mich Arnoldo ob ich auch mal fahren will. Ich will natürlich, fahre also 20 Kilometer über die Huckelpiste. Wir nehmen ein paar Soldaten mit, die dafür sorgen sollen, dass keiner die Straße kaputt macht. Irgendwann beginnen sie wie wild zu hantieren: Die Ladefläche ist durchgebrochen. Das Fahrgestell ist zwar aus Metall, aber die Konstruktion darüber nur aus Holz, das das Gerumpel nicht länger mitmachen wollte.
Also sammeln wir auf dem Weg ein paar Baumstämme ein, halten in einem Dorf mit dem Namen "42" (wohl weil es 42 Kilometer vor Puerto liegt) und trommeln die ganze lokale Bevölkerung zusammen um uns zu helfen. Jeder bringt einen Hammer, eine Säge, einen Wagenheber oder was weiß ich was mit und gemeinsam schaffen wir es drei Balken zwischen das Fahrgestell und die ladefläche zu bringen. Nach zwei Stunden sind wir fertig (es sieht ziemlich abenteuerlich aus) und fahren weiter nach Managua.
Den Rest der Reise erspare ich euch, ich krieg heute noch Rückenschmerzen davon.
Ich hoffe euch gehts allen gut, lasst was von euch hören!
Liebe Grüße vom andern Ende der Welt,
euer Christoph
Mittwoch, 17. Oktober 2007
Hallo mal wieder
Meine ersten beiden Arbeitswochen sind rum, allmählich bekommt alles ein bisschen Routine und ich gewöhn mich allmählich an das Leben in der Großstadt. Das war am Anfang schon eine gewisse Umstellung aus dem beschaulichen Neumarkt raus, in eine Millionenstadt in einem Entwicklungsland. Da wäre zum beispiel der Arbeitsweg. Ich habe das Glück erst um 9 Uhr anzufangen, da ist der große Berufsverkehr schon vorbei und der Bus braucht 30-40 Minuten. Will man um 8 losfahren muss man schon um 7 oder halb 7 losfahren, weil der Verkehr so dicht ist. Dann bekommt man auch keinen Sitzplatz im Bus und es ist verhältnismäßig eng (für Nica-Verhältnisse, in Deutschland würde man sagen der Bus ist überfüllt). Noch krasser ist es aber Abends. Ich schau immer, dass ich spätestens um 4 Uhr die Rückreise antrete, da geht es meistens ziemlich gut, ausserdem steige ich immer ziemlich am ende der Linie ein, da ist der Bus noch leer. Wenn man aber mal erst um halb 6 aus der Arbeit
kommt, wird es schon kritisch. Am Anfang gehts meistens noch, weil die Kirche am Standtrand liegt, aber der Bus füllt sich nach und nach immer mehr, weil die Wohnviertel eben in der anderen Richtung sind. Dort wo wir dann aussteigen ist der Bus dann am vollsten. Ich will mal versuchen das zu beschreiben, aber ich glaube das kann man sich als in deutschland Lebende/r gar nicht vorstellen. Ich glaube in diesen Bussen werden 250 Personen auf ein mal befördert. Es gibt ungefähr 40 Sitzplätze, der Rest steht. Aber nicht so dicht an dicht, wie wenn man in München morgens mit der U-Bahn fährt (und meint "oh, das ist aber eng hier") Es ist einfach so eng, dass selbst mit drücken keiner mehr rein passt. Wenn man nicht das Glück hat einen Sitzplatz zu haben, hat man Körperkontakt von der Sole bis zum Scheitel. Ungelogen, es ist einfach unglaublich. Man braucht sich nicht festhalten, weil es keine Möglichkeit gibt irgendwohin umzufallen. Mich wundert es auch, dass nicht einfach das Bodenblech dieser Busse durchbricht, weil sie für eine solche Personendichte einfach nicht gemacht sind. Zum glück gibt es hier keine LKW Wagen, wie in Ingolstadt wenn man Richtung München fährt. Da würde diese Busse ihr zul. ges. Gew. wohl um das zweifache übersteigen.Aber irgendwie bewunder ich die Busse schon, sie tun einfach jeden Tag ihren dienst, fahren Kilometer um Kilometer durch Managua und gehen nur selten kaputt (hab ich aber auch schon erlebt: Der Bus rollt einfach bis zur Nächsten Haltestelle, man steigt aus, kriegt sein Fahrgeld wieder und fährt mit dem nächsten Bus weiter. Am Abend stand der Bus immer noch an der selben stelle ;-) Wenn ich dann in der Arbeit bin, gibt es meistens nicht so wirklich viel zu tun, wie das wohl in jeder neuen Arbeit ist. Man muss eben erst reinfinden. Aber seit dieser Woche gehts. Ich sitzt nicht mehr den ganzen Tag blöd rum und schau dass es Abend wird. In ein paar Wochen soll es hier ein Theater geben, zum Thema Aids und wie die Gesellschaft damit umgeht. Die Idee kommt von Miguel, einem sehr jungen Pfarrer, zu dem ich einen ziemlich guten Draht habe. Mein "Betreuer" Mario ist zwar genaus jung, aber mit ihm werd ich nicht so richtig warm. Er ist ein bisschen steif und benimmt sich irgendwie als wär er 20 Jahre älter. Aber er ist meistens sehr beschäftigt (um ehrlich zu sein: ich weiß eigentlich nicht, wo er sich den ganzen Tag versteckt ;-) . So sehr, dass er seit 2 Wochen nicht dazu kommt den Arbeitsspeicher zu suchen den ich brauche um den 2. PC zu reparieren oder mir eine Autorisation zu schreiben aus 2 kaputten, unbenutzbaren Computern einen funktionierenden zu machen. Aber ich bin hartnäckig (oder nervig ;-) und frag ihn jeden Tag wieder ;-) irgendwann wirds ihm schon zu bunt werden.Dafür mach ich eben jetzt mit Miguel das Theater. Als Schauspieler auf einer Bühne zu stehen hat mir ja noch nie so richtig gefallen, deswegen bin ich auch diesmal wieder im verborgenen tätig: Ich soll die Kulissen und Kostüme basteln, am Anfang war ich nicht so begeistert, weil ich dachte es geht nur um ein paar Insektenflügelchen und Antennen, aber mittlerweile sind ein paar hübsche Sachen hinzugekommen: Ein riesiger beweglicher Haufen Scheiße (lustigerweise das einzige Wort was er auf deutsch konnte ;-) der die Gesellschaft symbolisiert und den ein Mensch in Ketten versucht wegzuziehen. Dabei sitzt ein anderer auf dem Haufen und schlägt mit einer Peitsche auf den armen ein. Das ist so das einleitende Bild. Danach fällt der Vorhang, man sieht einen Tisch mit zwei Gedecken, Stühle, einen Spiegel. Am Tisch sitzt ein Paar, sie unterhalten sich, sind sehr verliebt usw. Irgendwann gehen die beiden nach hinten/auf die Seite hinter ein gespanntes Tuch. Hinter dem Tuch steht irgendein Scheinwerfer (in Deutschland würd ich jetzt sagen: Basti, ich brauch an 2 KW PC und ein stativ, kriegst a Flasche Jack, hier muss ich noch sehen wie das funktioniert) und projeziert die Schatten der beiden auf das Tuch. Man sieht ausserdem ein Bett. Die zwei wollen eben jenes betreten, äussern erst Bedenken wegen Aids und Hiv, aber man beschließt dass man noch jung ist, Aids nur Leute haben die im Ghetto wohnen und man sich nicht so viele Gedanken machen soll. Die beiden gehen ins Bett, das Licht erlischt und im selben Moment fällt das Schattenspieltuch über die zwei. Ausserdem fällt hartes, aber nicht zu helles Licht aus zwei richtungen auf das Tuch (in Deutschland würd ich jetzt sagen: Basti, ich brauch zwei Stufis, einmal mit 102, einmal mit 797, kriegst an ganzen Liter). Das Tuch liegt einige Sekunden still da, dann beginnen die beiden sich unter dem Tuch zu bewegen, versuchen irgendwie rauszukommen, durch das Tuch zu kriechen. Währenddessen sind mehrere Andere unter das Tuch gekrochen, die es auch bewegen und ihre Hände dagegendrücken. Die optische Unruhe wird immer größer, bis irgendwann das Tuch in der Mitte aufreißt und ein Insekt daraus hervorkriecht, mit ekligen Fühlern, fettigen Flügeln, Schabenartig. Die Schauspieler von vorher haben sich verwandelt und werden jetzt durch verschieden Insekten verkörpert: 2 Kakerlaken, 1 Moskito und eine Spinne. So geht also das stück weiter, was jetzt genau passiert weis ich noch nicht genau (ich weiß auch nicht ob Miguel weis was jetzt passiert ;-) Aber ich finds von der Idee bis hierher eigentlich schon mal recht spannend. Irgendwie soll das ganze auch auf einer Freiluftbühne aufgeführt werden. Vielleicht gibts da lichtmäßig wirklich was, ich hätt schon ein paar Ideen was man da machen könnte. Aber jetzt werd ich morgen (hoffentlich, eigentlich hätt ich schon am Montag hingewollt, aber dann war das Auto weg oder mein Begleiter oder das Geld oder was weis ich was) auf den Markt fahren und mal Material einkaufen. Ich freu mich schon richtig drauf ein bisschen zu basteln und zu schaun ob das alles funktioniert. Mein Schreibtisch lässt übrigens immer noch auf sich warten, weil es hier seit 2 Wochen jeden Tag regnet. Und wenn es regnet, kann der schreiner Daniel nichts machen, weil seine "Werkstatt" nur ein Dach hat wo seine Kreissäge steht (also auf 2mx3m). Vielleicht hat sich der Schreiner Daniel aber auch mit der Hälfte von dem Geld die ich ihm im Vorraus gezahlt hab (weil er den Schreibtisch ja nach meinen Vorgaben macht) auch einfach davon gemacht und lebt jetzt mit seiner Espusa in einer schönen Finca an der Karibikküste (allzu weit dürfte er mit den 30 Dollar aber auch hier nicht kommen). Immerhin hat er schon die Tischplatte halb fertig und wir bewegen uns auf die Trockenzeit zu. Vielleicht hab ich bis Weihnachten was und muss zum Arbeiten nicht immer den Esstisch freiräumen und in meinem Zimmer liegt nicht immer so viel Kram auf dem Boden rum.Dafür hat das mit dem Internetanschluss ziemlich schnell geklappt, dank der Unterstützung von Don Omar, dem Administrador hier, der bei der Anmeldung gleich alles dabei hatte was man hier so braucht (Geburtsurkunde der Bischöfin, Pass, Autorisation natürlich, Kaufurkunde für das Haus, Liquiditätsnachweis, Blutspendeausweis) Ich hab der Frau auch immer fleißig von meinen Keksen die ich vorher gekauft hatte angeboten, vielleicht hats nur deswegen funktioniert.Auch in unserer Küche gehts vorwärts, heute haben wir unseren Herd zum Reparieren gebracht, weil man nur eine Flamme zum Kochen verwenden konnte. Würde Gas nicht blau brennen, könnte man mit den Anderen wenigstens Licht machen, aber so taugen sie eigentlich zu gar nichts. Auch der Ofen hat nicht so richtig funktioniert, was dran liegt, dass die Dämmung von Mäusen aufgefressen und es deswegen nicht so richtig heiß wurde. Mittlerweile ist auch mein Spanisch so gut, dass ich selbst mit dem Ofenreperateur sprechen und ihm die Probleme erklären konnte und er sich sogar auf eine ernsthafte Preisverhandlung eingelassen hat. Dieses Verhandeln macht eigentlich spaß, weil man irgendwie danach immer das Gefühl hat ein schnäppchen gemacht zu haben (ha, erst wollte er 1500 Cordoba, jetzt zahl ich 1200, 300 Cordobar gespart!). Wahrscheinlich hätte er von einem Nica von vornherein 1000 verlangt, aber das ist ja egal ;-) Auch unsere Stühle haben wir zum richten gebracht, weil manche ziemlich hinüber sind und das Netzt aus dem die Rückenlehne und die Sitzfläche sind sich in seine Einzelteile auflöst. Das einzige was momentan ein wenig Stagniert (ich muss mal ein paar spezialwörter benutzen, sonst sprech ich nach meiner Rückkehr nur noch Baby-Deutsch) ist das Ameisenloch. Das Ausheben ging ja richtig schnell, nach ein paar Tagen hatten wir ein wunderschönes Loch, aber irgendwie hat Paulino jetzt keine Lust mehr weiterzumachen und alleine will Orlando auch nicht und er Muchacho der im helfen sollte ist irgendwie noch nicht gekommen. Aber heute war er da und hat sich das mal angeschaut, damit er sich seelisch auf das Loch einstellen kann ("Ah, so ein Loch also, aus Erde und tief und so. Na wenn das so ist, werd ich wohl morgen mal eine Schaufel mitbringen, was?!") Naja, so ist das eben hier, man muss sich ein bisschen dran gewöhnen. Dafür wächst mein Gemüsebeet (momentan ist es eher eine Flaschenbodensammlung) schon prächig. Heute ist das Paket meiner lieben Mutter mit Gewürzsamen angekommen (vielen Dank!) und ich hab gleich mal gesät. Schon am gedeihen sind: Tomaten und Wassermelonen, die andern sachen werden hoffentlich anfangen zu keimen. Und schon bald werden wir unsere köstlichkeiten mit frischen Gewürzen aus eigenem biologischen Anbau würzen und verfeinern können!
Für heute hab ich wohl genug geschrieben, aber wenn ich mal drin bin, dann geht es so schön.
Ausserdem steth der erste Unterstützerkreisbericht an, mal sehen was ich da schreibe, weil eigentlich bekommen ja alle die dabei sind auch den Newsletter. Mal sehen, was ich mir da einfallen lasse.
Lasst mal was von euch hören, es gibt ja Zuhörerinen und Zuhörer (bitte wie sagt man denn da bei einem Newsletter? Zuleser oder was?) aus ganz Deuschland, ich will auch wissen was ihr so treibt. Ausserdem würde mich interessieren wo beim Obi jetzt ein Kreisverkehr gebaut wurde.
Liebe Grüße aus Managua!
euer Christoph
Dienstag, 9. Oktober 2007
Die erste Arbeitswoche
Salud ustedes!
Endlich komm ich mal wieder dazu euch zu schreiben, eigentlich hab ich nicht so wahnsinnig viel zu tun, ich muss meine Arbeit und meine Aufgaben erst noch finden, so wie das wohl immer ist, wenn man neu irgendwo anfängt. Aber ich glaube, dass es mir gut gefallen wird.
Meine Chefin ist äusserst nett, Katia ist wohl so anfang/mitte 30, ein sehr fröhlicher Mensch mit wachen Augen. Sie ist die Tochter der ersten Bischöfin Lateinamerikas. Überhaupt ist mein ganzes Arbeitsumfeld sehr von Frauen geprägt (eigentlich sind alle Führungspositionen weiblich besetzt). Aber damit bin ich ja schon in meiner Schulzeit gewohnt ;-).
Mein erster Tag begann erst mal mit einem Gottesdienst (eigentlich beginnen die meisten Tage so, da muss ich mich noch dran gewöhnen), wo wir den versammelten Kirchenangestellten noch mal vorgestellt wurden. Danach bin ich mit Katia erst mal in ihr Büro und sie hat mich 3 Stunden lang darüber informiert was ich alles machen kann/werde/muss. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, sie lässt mir ziemlich freie Hand, hat aber schon hohe Erwartungen. Bei Jakob ist das nicht so, seine Chefin Melba ist sehr strikt und "hat einen starken willen" (so wurden wir gewarnt ;-). Jakob muss jeden tag um 8 in der Kirche sein und bis 5 dort bleiben, egal ob er was zu tun hat oder nicht. Ich fang normalerweise um 9 Uhr an (was sehr gut ist, weil der Verkehr um 8 Uhr so viel stärker ist, dass der Bus manchmal eine Stunde länger braucht) und kann - nach Absprache - gehen, wenn ich fertig bin. Ich mach auch viel "daheim", weil ich hier den laptop habe und eMails schreiben kann (Kommunikation mit der Entsendeorganisatio
Die erste größere Sache, die hier stattfinden wird ist ein Aids-Informationsfe
Das ganze wird organisiert von den Jugendlichen der Gemeinde in Managua, ist also auch Teil meiner Arbeit. Am 19. Oktober ist es dann so weit, es soll auch eine Bühne mit Licht und Ton geben, ich bin ja mal gespannt, was da aufgefahren wird.
Momentan verbringe ich aber die meiste Zeit im Haus, weil wir hier ein ziemlich großes Problem haben: Ihr kennt alle diese wunderbaren Blattschneiderameis
Auch sonst gibt es viel zu tun im Haus: Einige Stühle sind kurz davor auseinanderzufallen
Ich komm also grade wieder heim, mit allem was mir aufgetragen wurde, da entdecken die zwei Bergarbeiter ein neues Ameisennest, das es auszurotten gilt. Also mach ich mich auf ins Agrocentro, eine Art Baywa um den Ameisenkiller nummer eins zu besorgen. Das ist wirklich ein Erlebnis dort, planwirtschaft pur. In dem Büro sind Bagger, Traktoren, Generatoren und Agrarbedarf aller Art ausgestellt, es gibt 6 Angestellte, die hinter irgendwelchen Schreibtischen irgendwas machen und einen der für Kundenverkehr zuständig ist. Dort stauen sich natürlich die Leute, die irgendwas kaufen wollen. Ich stell mich also an, bin nach einer halben stunde dran und sag, dass ich das Ameisengift Cyper MC brauche, einen viertelliter. Gut, dafür müssen wir erst mal ein Formular mit 6! Durchschlägen ausfüllen, damit auch alles seine Richtigkeit hat. Mit dem grünen und dem rosanen teil geht man dann zur Kasse, stellt sich dort wieder an, zahlt seine 35 Cordoba (ca. 1,40€), kriegt ein paar Stempel und ein neues Formular, stellt sich wieder beim Kundenverkehrsschre
Jedenfalls hat das Gift seinen Zweck erfüllt und die Ameisen haben das zeitliche gesegnet (wie lange halt). Ansonsten habe ich begonnen unserer amerikanischen Mitbewohnerin ein wenig deutsch beizubringen, was gar nicht so einfach ist, weil man sich ja normalerweise keine Gedanken über Konjugationen und sowas macht, man spricht einfach. Und erklär mal jemanden, der nur den Nominativ und Genetiv kennt, was Akkusativ und Dativ sind. Mal sehen, bis zum ende des Jahres werden wir schon was hinbekommen.
Ausserdem war ich am Sonntag auf einem Konzert latienamerikanische
Der musikalische Teil hat mir dann um einiges besser gefallen, das was ich bei uns immer nur aus Aufnahmen gehört hab, wird hier live vorgetragen und es ist nicht ein exotisches Hobby, sondern einfach die hier übliche Musik. Es ist wahnsinnig wie viel Energie das transportiert, ich glaub das muss man gehört haben, es lässt sich nicht beschreiben.
Morgen werd ich mit Mario nach Somotillo, ein dorf im Nordwesten des Landes fahren und mir die Jugendgruppe dort anschauen. In Zukunft werd ich alle zwei Wochen dort vorbeifahren. Ich bin gespannt wies wird, dummerweise muss ich morgen schon um 4 Uhr aufstehen. Da hab ich ja gar keine lust drauf ;-)
Liebe Grüße aus Managua,
euer Christoph
Samstag, 22. September 2007
Christoph Unterwegs
Salut ustedes!
Sicherlich wartet ihr alle schon sehnlich auf diese Rundmail, ich hab ja länger nichts von mir hören lassen, weil ich die letzten Tage wirklich viel unterwegs war, aber: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen (oder so ähnlich). Von meinem Besuch auf den Islettas hab ich ja schon erzählt, danach begann für mich meine letzte Schulwoche in Granada. Am Montag raffe ich mich also schweren Herzens auf wieder in die Schule zu gehen, allmählich hab ich mich an die Zeitumstellung gewöhnt und bin auch hier zum Langschläfer geworden, auch wenn das hier nicht so einfach ist, weil ab 6 Uhr in der Früh der Krach los geht und ab 7 beim besten Willen nicht mehr an schlafen zu denken ist, aber man kann ja in seinem Bett liegen bleiben, ein bisschen lesen oder in der Gegend rum schauen (es gibt hier recht interessante Geckos, die aus Italien importiert wurden um Moskitos zu fressen, sie können an der Wand laufen und platzieren sich meist in der Nähe von Glühbirnen, weil dort die Moskitodichte am größten ist). Mein Spanisch ist mittlerweile schon ganz gut, auch wenn man immer wieder ein bisschen braucht um reinzukommen, bis sich das Hirn umstellt. Am Dienstagabend bin ich zum letzten Mal ins Internetcafé gegangen, danach haben wir auf dem Parce Central noch ein paar Freiwillige aus Frankfurt getroffen, es ist wirklich der Wahnsinn, wie viele Freiwillige sich hier tummeln, nahezu in jeder größeren (auch in vielen kleinen) Städten gibt es jemanden von dem wir mittlerweile eine Handynummer oder irgendeinen Kontakt haben, was wirklich praktisch ist. Wir waren noch ein wenig unterwegs um unseren letzten Abend in Managua zu feiern. Es war wirklich recht lustig und vor allem mal schön mit mehreren Menschen auf Deutsch zu reden, sonst ist immer nur Jakob da, mit dem ich mich zwar gut verstehe, aber auf dauer ist es manchmal doch ein wenig eintönig ;-). In unserer lustigen Runde ist mir außerdem eine bemerkenswerte Sache aufgefallen: Sowohl der berühmte Cuba Libre, als auch das Libre-Derivat Nica Libre bestehen hauptsächlich aus Coca Cola. Wie soll man das verstehen? Diese beiden Staaten sind zwar auf den Imperialismus Amerikas überhaupt nicht gut zu sprechen, produzieren aber ihr "Nationalgeträ
Morgen werd ich noch einen letzten freien Tag hier verbringen, noch ein paar Sachen reparieren und am Montag beginnt dann meine richtige Arbeit. Ich bin gespannt ;-)
Liebe Grüße, euer Christoph
Wochenende in Nicaragua
Salud Ustedes,
nach einer anstrengenden Woche (jeden tag 4 Stunden spanisch in der Schule, dann noch Hausaufgaben und die taeglichen Besorgungen natuerlich auch auf spanisch) war ich gestern echt froh, dass das rettende Wochenende begonnen hat. Aber auch da gibts jede menge zu tun, wir langweilen uns hier ganz bestimmt nicht ;-)
Am Donnerstag hat Granada zum ersten mal seit 15 Jahren wieder die Baseballmeisterscha
Spaeter treffen wir noch einen unserer Lehrer mit dem wir schon mal was unternommen haben. Ein wirklich netter Kerl, der ziemlich gut englisch spricht, was gelegentlich sehr hilfreich ist. Mit ihm gehen wir mit und werden von seinen Freunden freundlich aufgenommen. Man bietet uns zu trinken an. Das problem ist nur, dass hier der Rum in etwa so getrunken wird, wie bei uns das Bier, da muss ich mich erst ein bisschen dran gewoehnen ;-) Dazu gibt es Chicharon, das ist ausgelassene Schweinehaut. Schmeckt in etwa so, wie die Kruste vom Schweinebraten und kann hier ueberall gekauft werden.
Nach einer halben Stunde ist uns das rumstehen zu bloed (der Rum hat sicherlich auch dazu beigetragen ;-) und wir begeben uns in eine "Bar". Neben mir nimmt ein Lehrer Platz, der von mir ueber die Teilung Deutschlands informiert werden will, und warum da diese Mauer gestanden hat. Mit meinem begrenzten Wortschatz ist es gar nicht so einfach das zu erklaeren (er wollts ja wirklich genau wissen). Was bitte heisst "Besatzungszone" auf spanisch? So zieht sich die erklaerung ein bisschen in die laenge, aber er hoert mir aufmerksam zu, weil er diesen Stoff demnaechst in Geschichte vermitteln soll, aber seine Buecher nicht wirklich viel hergeben. Ich bin also mitten im erklaeren, da stehen unsere Freunde auf einmal auf und bedeuten uns hektisch, dass wir schnell mitkommen sollen. Wir gehen mit, verstehen aber die ploetzliche Hektik nicht so richtig. Auf dem weg ueber den Parkplatz erklaert man uns, dass ein paar andere gaeste uns ausrauben wollten und wir deswegen das weite suchen. Da schaut man schon erst mal. Allerdings kann man sich hier nie so sicher sein, in wie fern man wirklich in Gefahr ist oder nicht, weil es bei den Nicaraguanern eine art Volkssport ist, dich vor allem moeglichen Gefahren zu warnen, die eigentlich gar nicht da sind. Managua ist die sicherste Hauptstadt Suedamerikas, aber die Nicaraguaner scheinen fast ein wenig stolz auf ihre ehemalige "gefaehrlichkeit" zu sein. Aber man weiss eben nie was wirklich dran ist und lieber ein bisschen zu vorsichtig als ein bisschen zu ausgeraubt. Wir gehen also ein paar quadras weiter in eine andere "Bar" und lasen uns dort nieder. Wie um uns zu beruhigen erzaehlt einer unserer Kumpanen, dass sein Bruder hier in diesem Barrio wohnt und er hier "Galactico" genannt wird, weil er in seiner Schulzeit sehr sportlich gewesen sein muss. Da fuehlt man sich doch gleich viel besser ;-)
Am naechsten Tag besuchen wir die Islettas, das sind hunderter kleiner Inseln im Nicaraguasee, die entstanden sind, als vor 10000 Jahren der Vulkan Mombacho, der heute noch aktiv ist in die Luft geflogen ist. Die meisten sind nicht groesser als ein Fussballfeld und viele von ihnen sind bewohnt. Urspruenglich haben sich hier die Piraten der Karibik versteckt, denn der Nicaraguasee ist ueber den Rio San Juan mit dem Atlantik verbunden. Die haben natuerlich in dem Kanalsystem eine wunderbare bleibe gefunden, besser kann man sich fast nicht verstecken. Nach den Piraten haben sich auf den Islettas die aermsten Bevölkerungsschichte
Vorbei an der Villa die der Familie Somoza gehoerte fahren wir durch das Labyrinth aus Wasser, Schwimmpflanzen und Inselchen. Esperanzita hat uns eine Insel empfohlen auf der man gut essen kann. Wir lassen uns dort absetzen, fahren vorher aber noch an Monkey Island vorbei, einem Eiland das sich auf 15m*15m bemisst und von 4 Affen bewohnt wird. Die wurden hier mal aus Forschungszwecken ausgesetzt, weil ein Wissenschaftler herausfinden wollte, ob sich zwei unterschiedliche Affenarten miteinander verpaaren wuerden. So sitzen die Affen also auf ihrer Insel, paaren sich miteinander und werden von allen vorbeifahrenden Touristen mit Bananen gefuettert.
Unsere Essensinsel (mit dem wunderbaren Namen Comeda Justo Condor) ist wirklich traumhaft, wir sind ziemlich frueh dran und deswegen die einzigen beiden Gaeste. Wir geniessen die Ruhe abseits des staendigen Laerms in Granada. Im Wasser vor uns, das zwar nicht wirklich einladend aussieht, aber hier so sauber sein soll, dass man drin baden kann spielen zwei Kinder, die ganz begeistert sind, als Jakob zum Jonglieren anfaengt. Ich lese ein bisschen, schreibe Sachen auf, die mir im Kopf rumgehen und geniesse eine Aussicht, beschattet von einem Palmendach, wie man sie nicht oft im Leben hat. Zum mittagesen bestellen wir uns einen Nicaraguaseefisch (Den namen hab ich leider vergessen), etwa so gross wie ein ordentlicher Karpfen aber mit ziemlich boese aussehenden zaehnen und auch anatomisch anders. Das Fleisch ist weiss, ziemlich fest, aber nicht trocken. Der Geschmack laesst sich schwer beschreiben, ist anders als alle was ich bisher gegessen habe, aber nicht schlecht. Nach dem Essen lese ich noch ein bisschen und lass die Seele baumeln. Nach 4 Stunden auf der Insel fahren wir mit dem Boot wieder zurueck nach Puerto Cabaña Marilla und von dort aus mit dem Taxi nach Granada. Fuer nicaraguanische Verhaeltnisse war der Spass zwar nicht ganz billig, aber auf jeden Fall ein muss fuer alle Nicaraguareisende.
Morgen werden wir vielleicht mal den Mombacho besteigen, da man den Gipfel von unten aus nie sieht, weil er immer von Wolken umhangen ist und naechsten Mittwoch endet auch schon unser Sprachkurs. Dann werden wir noch die Isla de Ometepe besuchen, eine Vulkaninsel im Nicaraguasee und dann nach Managua zurueckkehren. Uebernaechsten Montag beginnen wir dann unsre Arbeit. Ich bin ja mal gespannt.
Liebe gruesse an euch alle,
euer Christoph
Dienstag, 18. September 2007
Das Leben in Granada
Salud ustedes,
hier also der zweite Tatsachenbericht vom anderen Ende der Welt. Momentan hat es hier 31 Grad, 100 % luftfeuchtigkeit (es regnet in Stroemen), aber das ist ganz normal hier, es regnet quasi jeden Tag, aber es wird dabei nicht viel kaelter, nur so zwei, drei grad. Das macht die Feuchtigkeit locker wieder wett, weil es wahnsinnig schwuel ist. Aber mit der Zeit gewoehnt man sich an die Temperaturen und daran, dass man eigentlich immer schwitzt. So ist wenigstens das kalte Wasser nicht so schlimm, das hab ich mir eigentlich bloed vorgestellt, aber jetzt bin ich ganz froh, dass ich ein bisschen erfrischt werde. Inzwischen hab ich auch den wahren Grund herausgefunden, warum es hier keine zweistoeckigen Haeuser gibt: Da wuerde einfach kein Wasser mehr ankommen ;-) Es ist so, dass das Wasser hier rationiert wird, es gibt einfach ein paar stunden am Tag (die man vorher der Zeitung entnehmen kann) kein Wasser. Wenn es dann welches gibt, braucht natuerlich jeder welches, und dementsprechend stark kommt es dann auch aus der Leitung geschossen ;-) Im Waschbecken gehts meistens noch, aber aus der Dusche kommt oft einfach nix raus, da muss man dann einfach warten, oder aus dem Becken schoepfen, dass es hier so gut wie in jedem bad, falls man mal wasser braucht, und es keines gibt. Genauso ist das mit dem Strom hier, der wird auch rationiert, dass ist aber eigentlich weniger schlimm, da kann man sich helfen. Ausserdem haben die meisten Hotels und Cafes hier Generatoren, die dann auf die Strasse gestellt werden und dort einen hoellenlaerm veranstalten. Bei unserer Familie gibts gluecklicherweise einen grossen akku, der dafuer sorgt, dass man wenigstens noch licht hat, wenn der strom ausgeht (oder das Licht weg, wie die leute hier paradoxerweise sagen) Aber dann braucht man nicht mehr auf die Strasse gehen, weil man sein eigenens Wort nicht mehr versteht. Wenn die Granadienser sich zusammengetan haetten und fuer das geld, dass sie in generatoren gesteckt haben ein Kraftwerk gebaut haetten, waere das wohl praktischer gewesen. Bei uns waere das wohl ueber den Strompreis geregelt worden, aber hier ticken die Uhren eben anders.
Mein Spanisch macht ziemliche Fortschritte, mittlerweile kann ich mich mit mitreisendem im Bus unterhalten. Wirklich tiefsinnig sind die gespraeche noch nicht, aber es geht. Ich kann beinahe alle Sachen erzaehlen, die ich erzaehlen will (sogar, dass man in deutschland ein Geraeuschpruefungsz
Allmaehlich beginn ich auch mich an die Zeit zu gewoehnen und geh nicht immer schon um 8 Uhr ins Bett (ich bin dafuer auch immer um 6 Uhr wach, weil dann die Voegel wahnsinnig werden und die Strassenhaendler ihre Musikstaende wieder aufbauen, die natuerlich lautstark auf sich aufmerksam machen. Dort gibt es uebrigens ausnahmslos Raubkopien zu verkaufen. Mit kopierten Covern und allem drum und dran. Die Polizei steht nebendran und bewacht die Strasse. Die haben hier andere Probleme. Am Mittwoch sind wir ein bisschen ins Nicaleben eingetreten: Wir waren im Baseballspiel. Dazu erst ein paar Worte zum System: Es gibt hier sowas wie bei uns die Bundesliga, da spielen vorne mit: Granada, Managua, und Leon. Der beste aus sieben spielen gewinnt. Leon hat schon 3 spiele gewonnen, Granada noch keines, Managua meinen Informationen zufolge auch noch nicht. Die begegnung am Mittwoch war Granada - Leon, fuer Leon ging es also um etwas. Wir sind also ins Baseballstadion gegangen (ueberdachte Sitzplaetze, weil wir dachten, dass es regnen wuerde, fuer 50 Cordoba) Dort hat man dann freie Platzwahl. Das Spiel geht los, Granada hat die erste Runde und geht gleich mal 1:0 in fuehrung. Jetzt kommt Leon und es geht richtig Los. Ca. 50 Leute haben die 3 Stuendige Anfahrt auf sich genommen und beginnen jetzt einen Radau zu machen, dass jeder Club oder jede Hertha BSC stolz waere, wenn ein volles Stadion das hinbekommen koennte. Aber nicht einfach blos krach, sondern vorher einstudierte lieder, die natuerlich eine etwas andere musikalische Richtung haben als bei uns. Mir hats eigentlich richtig gefallen. Natuerlich bleibt da auch keiner sitzen, sondern alle stehen auf den Stuehlen und tanzen und trompeten und singen usw. Es geht richtig gut fuer Granada, sie fuehren bald 3:1, allmaehlich werden die Fans agressiver. Auf jeder Seite faengt man an Geld zu sammeln, damit die anderen Fans (die natuerlich die Verlierer seien sollen) nicht so traurig sein muessen. Die meisten schmeissen ein paar muenzen in den Hut, ein paar Ultras wedeln mit ihren Geldbuendeln. Irgendwann wir ihnen das scheinbar zu langweilig und jetzt messen sich die Frauen untereinander, wer besser tanzen kann und mehr Blicke auf sich zieht ;-) Da traeumt wohl auch mancher Clubfan davon. Waehrend diesem Spektakel muss man natuerlich keine Angst haben, alle 2 minuten kommt jemand vorbei und fragt nach, ob mann nicht noch ein Bier oder noch eine Pizza oder was auch immer haben will. Der Muell bleibt auch nicht liegen, sondern wird sofort wieder eingesammelt. Das Problem ist blos, dass diejenigen die die Aludosen einsammeln zwischen 4 und 6 Jahren alt sind und pro Pfund Alu 5 Kordoba bekommen. Was ich besonders schlimm finde, ist wie die Leute hier mit diesen Kindern umgehen. Die Dosen werden einfach fallengelassen und die Kinder sammeln sie dann auf. Ich behalte sie so lange, bis wieder jemand vorbeikommt und geb meine Dose ab. Das sammeln machen in den Stadien die juengsten, weil die am besten durch die Stuhlreihen schluepfen koennen. Wenn man zwischen 6 und 9 Jahren alt ist, kann man schon Kaugummis und Zigaretten verkaufen. Danach, bis 14/15 werden dann Getraenke verkauft, wenn man noch weiter aufsteigt in der Karriereleiter, kann man Pizza und Gallo Pinto verkaufen. Am ende gewinnt Granada, es ist also noch offen.
Am Freitag fahren Jakob und ich auf den Markt in Masaya, auf dem Weg dorthin treffen wir einen Paedagogikprofessor im Bus, mit dem wir uns nett unterhalten, er zeigt uns auch den Weg zum Markt und wo wir was finden. Dort kaufen wir ein bisschen ein. Hier ist Verhandlungsgeschic
Am Samstag sind wir dann mit dem Bus nach Leon gefahren um die naechste Begegnung Granada-Leon anzuschauen, diesmal mit dem Expressbus, weil wir ein bisschen spaet dran waren. Dieser Bus macht seinem Nahmen wirklich alle Ehre und saust mit 140 ueber die Autobahn, eben was die Muehle hergibt. Das Problem ist nur, dass es noch andere Expressbusse gibt, die natuerlich ihren Ruf verteidigen muessen und die sich erbitterte Rennen liefern. Jetzt gibt es hier aber alle 5 Km eine wendemoeglichkeit, so eine Art Kreisverkehr mitten auf der Autobahn. Dort gibt es dann nur noch eine Spur. Jetzt fahren also zwei Busse so nebeneinander her, jeder versucht den anderen zu ueberholen, aber keiner schafft es. Der Kreisverkehr kommt immer naeher. Was macht man? Klar: Hupen. So hupen sich beide Busse an und warten drauf, dass der andere bremst. Ich weiss nicht wie, aber irgendwie haben wir diese Fahrt ueberlebt ;-) (ein anderer feiner Trick schneller zu sein, ist es bei einer roten Ampel einfach rechts abzubiegen (wie beim Gruenen Pfeil), mit dem Bus eine 180 Grad Wende zu machen und noch mal rechts abzubiegen. Die Verkehrsinseln machen die Sache nur interessanter.
Nach drei Stunden Fahr in Leon angekommen (der teil nach Managua war weniger spannend, weil die Strasse hier einfach schnurgerade durch den Urwald geht) kommen wir fast noch rechtzeitig ins Stadion. Die Stimmung hier ist noch besser als in Granada, weil mehr Leon-Fans da sind. Nach einem ewig dauernden Spiel (3,5h, das ist auch interessant, der deutschen Volkssport ist recht gut planbar, da grob auf 90 Minuten begrenzt, hier dauert das Spiel eben, bis es vorbei ist) draengt uns Omar (einer unserer Lehrer) uns zu beeilen und wir schicken uns in einen vor dem Ausgang geparkten Bus zu kommen. Kaum sind wir drinnen, wird der Bus von Polizisten umstellt. Ich weiss nicht recht, was los ist. Wie sich herausstellt, sind die Polizisten zu unserem Schutz da. (Wer sich in Mittelamerika ein wenig auskennt, weiss, dass es in El Salvador mal einen "Fussballkrieg" gegeben hat, der nach einem Match erbitterter Feinde seinen Anfang gefunden hat) Wir weden also von der Polizei eskortiert, bis wir Leon verlassen haben. Das bloede ist blos, dass in den Bus nach deutschen Verhaeltnissen vielleicht 60 Leute passen. Drin sind ca. 120. Die 4 Stunden dauernde Rueckfahrt verbringe ich stehend, eingequetscht zwischen den schwitzenden Koerpern dutzender Baseballfans. Naja, es gibt schoeneres.
So, zum Abschluss will ich euch noch erzaehlen, was ich heute (Sonntag) zum Fruehstueck bekommen hab. Den Namen hab ich leider vergessen, deswegen hier eine kurze Beschreibung: Eine Art Maismehlknoedel (so gross wie zwei ordentliche bayerische Knoedel), aber mehr oder weniger rechteckig, gefuellt mit Reis, Tomaten und Schweineschwarte eingewickelt in ein Bananenblatt. Geschaetzte Kalorien: 10.000. Ich bin ja ein freund des deftigen Fruehstuecks, aber das war echt heftig ;-)
Noch was: "Fresco de Pintaya" ist ein Erfrischungsgetraen
Was gibts in der Heimat neues?
Liebe Gruesse, euer Christoph
Sonntag, 9. September 2007
Wieder Schule
Salud Ustedes (inzwischen hab ich herausgefunden, dass die Nicas die 2. Person Plural nicht benutzen, überhaupt nicht. Sie nehmen dafür die 3.p.Ganz schön abgefahren, was?)
Gleich am nächsten Tag nachdem Jakob und Ich unser neues Heim bezogen haben (bilder habt ihr ja schon bekommen) sind wir wieder weiter nach Grenada. Erst hat es geheißen wir würden mit dem Pickup dorthin gebracht werden (weil der Ticabus zu gefährlich ist ;-) , aber dann hatte doch niemand Zeit und wir haben den nicaraguanischen öffentlichen Personennahverkehr kennengelernt. Rachel hat uns zur Bushaltestelle gebracht, die sowas wie der dreh und Angelpunk für Verbindungen in den Südosten ist: eine Parkbucht auf der "Autobahn" nach Masaya und Granada. Von unserem Haus zu fuß etwa 5 Minuten. Dort fährt alle zwei Minuten ein gelber Bus vorbei (genau wie die in der Stadt, eben bloß für den Fernferkehr; genannt "Ticabus") Auf den Bussen vorne drauf steht irgendwo zwischen dem Namen des Busfahrers (man muss ja zeigen, dass man stolz ist auf seinen Bus!), einem Spruch wie: "Jesus ist der größte" oder "Daniel Ortega ist der größte", Knorr- oder Colawerbung und sonstigen Gemälden das Ziel dieses Busses. In unserem Falle Granada. Allerdings kann man diese Schilder nur mit einiger Übung lesen, weil man diese Information auf den über und über bemalten Bussen erst mal finden muss. Damit auch niemand die knallgelben Busse übersieht, wird ca. einen Kilometer vor Ankunft an der Bushaltestelle damit begonnen ordentlich zu hupen. Wenn man das nicht gewohnt ist erschrickt man erst mal ordentlich, weil die Hupen etwa so tun wie Nebelhörner von Supertankern. Während man auf seien Bus wartet, kann man sich derweil von den Fahrenden und laufenden Händlern mit allem eindecken was man für die Reise benötigen könnte: Süßes, saures, salziges, flüssiges, festes, Souvenirs, Ventilatoren, oder wen man spontan einen Fernseher kaufen will. Lange braucht man aber nicht zu warten, da etwa alle 10 Minuten ein Bus in jede beliebige Richtung fährt.
MIt großem Getöse kommt also unser Bus an, jeder Sportauspuffbesitze
von Managua fahren steigen immer wieder leute zu und aus. Doch dazu wird nicht angehalten, aber immerhin gebremst, so dass man abspringen kann. Ein Mitreisender hat ein Fahrrad dabei, dass bei seine Ausstiegsstelle aus dem Hintereingang geworfen wird. Auf dem halben weg nach Managua über die eigentlich wirklich gute Straße (das inzige Hindernis sind die ab und zu in der Mitte fahrenden Ochsenkarren, doch die werden einfach zur seite gehupt, die Ochsen springen richtig weg ;-) steigt auf einmal ein dunkelhäutige Mann ein, dessen Gesichtszüge mich an die eines Inders erinnern. Er setzt sich aber nicht hin, obwohl eigentlich genug Platz wäre.Als der Bus losfährt wird klar warum: Er fängt an irgend eine Geschichte zu erzählen. Ich hab leider keine Ahnung um was es geht, ich verstehe überhaupt nichts, weil er 1. sehr schnell redet und 2. nuschelt. Vermutlich versucht er die mitfahrenden von seinem Glauben zu überzeugen oder er ist einer der vielen Anpreiser der durch die Straßen laufen/fahren und die besten Angebote unterbreiten. Das natürlich Lautstark mit riesigen Lautsprechern auf dem Dach. Nach einer dreiviertelstunde kommen wir am "Busbahnhof" in Granada an, einer art Schrottplatz mit Lehmboden. Dort gibt es wieder allerhand zu kaufen, aber wir werden nach einem kurzen Telefonanruf abgeholt. Little Roger (der Sohn von Roger, dem die sprachschule gehört) kommt mit dem Taxi und bringt uns zu unserer Gastfamilie. Zur Straße hin verrät sich das haus nur durch eine kleine, unscheinbare Tür, die vergittert ist (wie alles hier). Doch es ist ca. 30 meter tief. 2 Innehöfe lassen licht in die Küche, das "Esszimmer" und das "Wohnzimmer"
ein ca. 80l fassendes Becken in einer Ecke des Bades. Rosita erklärt, dass hier das Wasser rationiert wird, es gibt also jeden tag für ein paar Stunden kein Wasser aus der Leitung und aus diesem Grund sollte man sich hier immer etwas aufheben. Wir lassen also erst mal das Becken vollaufen und gehen dann mit Roger Junior durch die Stadt. Er zeigt uns noch die Schule, dann sind wir uns selbst überlassen. Wir beschließen mal zum Lago de Nicaragua zu gehen, dem größten Süßgewässer Mittelamerikas. Der See soll zwar um einiges sauberer sein als der Managuasee, an Baden ist dennoch nicht zu denken. Auf dem Weg dorthin läuft uns ein Nica über den Weg. Er "möchte uns die Stadt zeigen und von seinem Land erzählen", ausserdem findet er es sehr wichtig sich mit fremden zu unterhalten und so die Völkerverständigung voranzubringen. Er geht eine weile neben uns her. Irgendwann kommt uns die sache aber komisch vor, was sich auch bestätigt. Eigentlich sei er ja ganz froh hier, er sei zwar nicht reich an Geld, dafür reich im Herzen. Ausserdem findet er betteln nicht gut, er möchte arbeiten und zeigt den leuten die Stadt. Allmählich dämmert es uns. Wir sollen ratenwie viele Cordobas er brauch um sich und seine Tochter eine Woche zu ernähren. Wir liegen gar nicht so schlecht. Nun wird es ihm wahrscheinlich zu blöd mit uns herumzurennen und er sagt, dass er ja glücklich ist, aber im Moment eben doch ein bisschen traurig: Er hat nichts mehr zu essen und ob wir ihm nicht ein bisschen was geben könnten. Und genau hier ist das Problem, an dass ich mich wohl gewöhnen muss. Gibt man ihm Geld, kann man sich nicht sicher sein für was es Verwendet wird, ausserdem wird dadurch das Problem nicht gelöst, sondern bloß die Symptome gelindert. Am geschicktesten wäre es wohl ihm etwas zu essen zu kaufen, aber wir sind am Seeufer wo es wohl aufgrund des Gestankes keine touristen und in Granada auch keine Händler gibt. Nach einigem Hin- und Herüberlegen und nachdem er uns 100 mal beteuert hat, dass er das Geld wirklich für Essen verwenden würde, geben wir ihm 5 Dollar. Für ihn ein Wochenlohn, aber war das jetzt richtig? Ich weiß es nicht.
Als wir wieder zuhause ankommen (mein Zuhause wechselt momentan häufig ;-) hat Esperanzita (kleine Hoffnung), die Haushälterin bereits das Abendessen hergerichtet. Es gibt eine Hühnersuppe mit Mais, Kartoffeln, Platanos, irgendwelchem Wurzelgemüse und Sellerie. Es schmeckt wirklich sehr gut. Wir bedanken uns für das essen und wir bekommen erklärt, dass diese Suppe "una comida tipica de Nic" und "muy rico" sei. Eigentlich ist alles was wir hier essen "tipico de nicaragua" und "muy rico" mein (noch) begrenzter Wortschatz gibt einfach nicht mehr her ;-). Nach dem Essen fallen wir bald ins Bett und schlafen um 9 Uhr schon tief
und fest.
Am nächsten Tag beginnt für uns beide wieder die Schule, allerdings mit einer Klassengröße von 1. Jeder hat seinen eigenen Lehrer (bzw. 4 für verschiedene Schwerpunkte, die sich abwechseln). Unser Unterricht dauert jeweils 4 Stunden, das ist ganz schön anstrengend, aber dafür ziemlich effektiv. Nach der Schule gehen wir wieder heim, essen zu mittag und machen unsere Hausaufgaben. Die Nachmittage verbringen wir irgendwo in Granada oder lesen ein wenig.
Nach zwei Schultagen naht glücklicherweise schon das Wochenende, an diesen Schulstress muss ich mich erst wieder gewöhnen ;-). Wir überlegen was wir machen könnten: Zur Auswahl steht die Isla de Ometepe, eine Bilderbuchvulkanins
sind in einem so armen teil der Welt zu sein. Erst mal das finde ich bekloppt, außerdem ist Granada im Vergleich zu Managua eine Insel der Glückseligkeit. Naja, wir fahren also eine halbe Stunde durch die Landschaft, die Amerikaner gehen mir auf die Nerven, weil sie ständig damit prahlen in welchen anderen drittweltländern sie schon waren und wie gefährlich es dort war und kommen schließlich an: an einem anderen Hostel, direkt am See. Wir haben uns dafür angemeldet, weil im Prospekt stand, dass man dann für 2 Dollar extra Kanus gratis benutzen kann. Das ist zwar ganz praktisch, aber wenn wir gewusst hätten in welcher Gesellschaft wir dafür sind, wären wir wieder mit dem Ticabus gefahren. Getränke und Essen in diesem Hostel sind verdammt teuer (für Nicaraguanische Verhältnisse) und das Geld das wir dort ausgeben kommt nicht bei der Bevölkerung, sondern bei dem Amerikaner an, der dieses Hostel errichtet hat. Im Nachhinein ärger ich mich sehr darüber nicht
auf eigene Faust hierhin gefahren zu sein, aber was solls. Sieht man von diesen Ärgernissen ab, war es wirklich wunderschön. Das Wasser hatte wohl 30 Grad, fast schon zu warm (ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde) und glasklar. Die Landschaft war natürlich beeindruckend, weil man über die 6km, die der See "durchmisst" komplett außen rum sehen konnte. Keine Bäume im Weg, wie sonst in diesem Urwald. Vormittags fahren wir beide ein wenig mit dem Kajak raus und schwimmen ein bisschen, dabei unterschätzen wir aber die Äquatorsonne, die uns schon nach 20 Minuten die Schultern verbrannt hat. Man schätzt das leicht falsch ein, weil einem die Sonne, die ja senkrecht am Himmel steht kaum Auffällt, weil sie nich blendet. Aber beim nächsten mal wissen wir bescheid und so schlimm ist es nicht. Den Nachmittag verbringe ich mit lesen und bringe auf einen Satz Dürrenmatts "Romulus der Große" hinter mich. Ein wirklich gutes Buch, aber wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, brauch ich bald neuen Lesestoff. Um 5 Uhr fahren wir wieder zurück und essen zu abend. Meike, eine Hollendärin die muttersprachlich deutsch spricht und auch bei unserer Familie wohnt fragt uns, ob wir noch mit ihr weggehen wollen. Wir begleiten sie erst zu dem Haus ihrer Verbindung in dem noch 5 andere Holländer sitzen, die in der Umgebung an irgendwelchen Projeten arbeiten. Wir unterhalten uns ganz gut, ich gebe die 5 Sätze holländisch zum Besten, die ich beim Segeln gelernt habe, dann brechen wir auf ins
Nachtleben von Granada.Wir gehen durch die nächtlichen Straßen, vorbei an Touristenclubs, die 50 Cordoba eintritt verlangen zu einem open-air-club. Hier kostet der Eintritt 20 Cordoba und kein Reggaeton, sondern Salsamusik schallt uns entgegen. Wir betreten einen Innehof in dem mehrere Pavillons aufgestell sind. Auf dem mit großen Steinen gepflasterten Boden stehen kleine Holztischchen und Schemel. Über den Garten verteilt stehen ein paar Palmen und im schein der Kerzen und Fackeln sitzen etwas 200 Leute herum, unterhalten sich und trinken Cocktails und Bier. Unter einem festen Dach befindet sich die Bar, eine kleine Tanzfläche auf der die Hüften geschwungen werden und eine kleine Bühne auf der 6 Musiker stehen und Salsa spielen. Das ist richtig gut, mal was anderes in einem Tanzclub und lustig ist es trotzdem. Mir gefällt es wunderbar, wir setzten uns und trinken ein wenig.
In Nicaragua gibt es zwei sorten Bier: Victoria, was pilsartig ist und sich eigentlich trinken lässt und Tona, was blos nach Wasser schmeckt. Dummerweise gibt es hier nur Tona und ich weiche auf Mojito aus ;-)Wir haben bloß ein Problem: um 12 Uhr sperrt Rosita die Haustüre zu und wir kommen nicht mehr rein. Meike hat uns zwar angeboten im Verbindungshaus zu übernachten, aber ein eigenes Bett verspricht eben doch mehr erholung. Wir müssen uns entscheiden. Da beginnt die Band wieder zu spielen und die Sache ist gegessen: Wir bleiben noch ;-)
Am nächsten morgen gehen wir bald heim, die Mücken haben mich kaum schlafen lassen und ich bin froh im eigenen Bett noch ein paar Stunden liegen bleiben zu können. Nach dem Mittagessen gehen wir zur Bank, um Geld zu holen. Wir müssen die Sprachschule und die Gastfamilie bezahlen. Pro Woche kommen so 170 Dollar zusammen. Da ich für jedes mal abheben 5 Dollar gebühr zahlen muss, nehme ich gleich das Maximum, 400 Dollar ab und renne auf dem Rückweg mit mehr als dem Jahresverdienst eines durchschnittlichen Nicas rum. Wieder so ein eigenartiges Gefühl. Aber auch daran werde ich mich gewöhnen müssen.
Nachdem ich diese Mail geschrieben hab, werd ich noch ein bisschen spanisch lernen und sehn was der Tag bringt. Diese Woche werd ich auch noch mal auf den Markt schaun und einen Photo mitnehmen. Denn was es dort gibt, ist wirklich sehenswert.
Liebe Grüße vom anderen Ende der Welt,
euer Christoph